Täter-Opfer-Ausgleich

Eine Mög­lich­keit der außer­ge­richt­li­chen Kon­flikt­schlich­tung ist der Täter-Opfer-Aus­gleich. Dabei müs­sen sowohl Täter als auch Opfer mit die­ser Ver­fah­rens­wei­se ein­ver­stan­den sein. Außer­dem ist es erfor­der­lich, dass der Täter sich zu sei­ner Tat bekennt.

Täter-Opfer-Ausgleich

Ein Täter-Opfer-Aus­gleich wird vor allem bei Jugend­li­chen prak­ti­ziert, aber auch bei Erwach­se­nen kann die­se Art der Schlich­tung her­an­ge­zo­gen wer­den. Für den Täter-Opfer-Aus­gleich kom­men aller­dings nur bestimm­te, leich­te Straf­ta­ten in Betracht. So wird z.B. bei Ver­ge­wal­ti­gung ein Täter-Opfer-Aus­gleich nicht ange­wen­det. Gere­gelt ist der Täter-Opfer-Aus­gleich in den §§ 155a, 155b StPO und in § 46a StGB. Geson­der­te Vor­schrif­ten gibt es für die Jugend­li­chen: § 45 JGG.

In eini­gen Bun­des­län­dern läuft ein Pilot­pro­jekt, bei dem bestimm­te Aspek­te des Täter-Opfer-Aus­gleichs mit ein­be­zo­gen wor­den sind: das Schü­ler­ge­richt.

Wie ein sol­cher Täter-Opfer-Aus­gleich abläuft, ist unter­schied­lich. Ein fes­tes Ver­fah­ren gibt es hier­für nicht. Wie bei einer Media­ti­on gibt es einen Ver­mitt­ler, der als unpar­tei­ische Per­son bei­de Sei­ten unter­stützt, berät und moti­viert. Des­halb wird der Täter-Opfer-Aus­gleich auch Media­ti­on im Straf­recht genannt — auch wenn es sich metho­disch nicht um eine Media­ti­on han­delt.

Revo­lu­tio­när bei die­ser Metho­de ist die Gleich­ge­wich­tung des Opfers und des Täters. Nicht nur die Straf­ver­fol­gung und Ahn­dung der Tat ist wich­tig, son­dern auch die Opfer­in­ter­es­sen, wie z.B. die Wie­der­gut­ma­chung oder die Ver­ar­bei­tung des Gesche­he­nen bis zum Ver­ste­hen der Tat. Der Täter lernt die Per­spek­ti­ve des Opfers ken­nen und das Opfer erfährt etwas über die Sicht­wei­se des Täters.

Die Beschul­dig­ten und die Geschä­dig­ten füh­ren Ein­zel­ge­sprä­che, in denen mit Hil­fe des Ver­mitt­lers das gemein­sa­me Aus­gleichs­ge­spräch vor­be­rei­tet wird. Wäh­rend des Aus­gleichs­ge­sprächs hilft der Schlich­ter bei der Tat­auf­ar­bei­tung und Fin­dung von Lösungs­mög­lich­kei­ten für die Straf­tat, mit der bei­de Betei­lig­ten ein­ver­stan­den sind. Die­se gemein­sam gefun­de­ne Lösung wird ver­bind­lich in schrift­li­cher Form fest­ge­hal­ten. Es wird ein Ver­trag über die­se Wie­der­gut­ma­chungs­ver­ein­ba­rung geschlos­sen, der sei­tens der Ver­mitt­ler auch auf ihre Ein­hal­tung hin über­prüft wird.

Die Staats­an­walt­schaft oder das Gericht bekommt vom Ver­mitt­ler einen Bericht über den Täter-Opfer-Aus­gleich. Die­ser kann sich straf­mil­dernd aus­wir­ken oder sogar eine Ein­stel­lung des Ver­fah­rens bewir­ken.

Aller­dings ist die­ser Täter-Opfer-Aus­gleich nicht ganz unpro­ble­ma­tisch: So ist zum Zeit­punkt des Ansto­ßens des Täter-Opfer-Aus­gleichs durch die Staats­an­walt­schaft noch nicht rechts­kräf­tig fest­ge­stellt wor­den, dass und ob der Beschul­dig­te zwei­fels­frei der Täter ist. So könn­te sich der Beschul­dig­te allein um z.B. die Haupt­ver­hand­lung zu umge­hen, sich mit dem Täter-Opfer-Aus­gleich ein­ver­stan­den erklä­ren. Genau­so kann sich der Geschä­dig­te aus­ge­nutzt vor­kom­men, wenn der Ein­druck ent­steht, der Beschul­dig­te habe dem Täter-Opfer-Aus­gleich nur zuge­stimmt, um eine Ver­fah­rens­ein­stel­lung zu errei­chen.

Gera­de um die­sen Miss­brauch zu ver­hin­dern, ist eine Unter­stüt­zung in Form des Ver­mitt­lers bei dem Täter-Opfer-Aus­gleich unbe­dingt erfor­der­lich. Nur so kann es eine fai­re und gerech­te Ver­ein­ba­rung geben, mit der bei­de Par­tei­en leben kön­nen.