Ausländischer Schiedssprüche — und die schriftliche Schiedsvereinbarung

Die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che rich­tet sich gemäß § 1061 Abs. 1 Satz 1 ZPO nach dem Über­ein­kom­men vom 10.06.1958 über die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che1 (UNÜ).

Ausländischer Schiedssprüche — und die schriftliche Schiedsvereinbarung

Gemäß Art. III Satz 1 UNÜ erkennt jeder Ver­trags­staat Schieds­sprü­che als wirk­sam an und lässt sie nach den Ver­fah­rens­vor­schrif­ten des Hoheits­ge­bie­tes, in dem der Schieds­spruch gel­tend gemacht wird, zur Voll­stre­ckung zu, sofern die in den fol­gen­den Arti­keln des Über­ein­kom­mens fest­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen gege­ben sind.

Nach Art. V Abs. 1 Buchst. a UNÜ setzt die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung eines Schieds­spruchs vor­aus, dass die Par­tei­en eine Ver­ein­ba­rung im Sin­ne des Art. II UNÜ geschlos­sen haben.

Vor­aus­set­zung ist danach eine schrift­li­che Ver­ein­ba­rung, durch die sich die Par­tei­en ver­pflich­ten, alle oder ein­zel­ne Strei­tig­kei­ten, die zwi­schen ihnen aus einem bestimm­ten Rechts­ver­hält­nis, sei es ver­trag­li­cher oder nicht­ver­trag­li­cher Art, bereits ent­stan­den sind oder etwa künf­tig ent­ste­hen, einem schieds­rich­ter­li­chen Ver­fah­ren unter­wer­fen, sofern der Gegen­stand des Strei­tes auf schieds­rich­ter­li­chem Wege gere­gelt wer­den kann (Art. II Abs. 1 UNÜ); dabei ist unter einer „schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung“ eine Schieds­klau­sel in einem Ver­trag oder eine Schieds­ab­re­de zu ver­ste­hen, sofern der Ver­trag oder die Schieds­ab­re­de von den Par­tei­en unter­zeich­net oder in Brie­fen oder Tele­gram­men ent­hal­ten ist, die sie gewech­selt haben (Art. II Abs. 2 UNÜ).

Die Par­tei, die die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung eines aus­län­di­schen Schieds­spruchs im Inland betreibt, trägt die Dar­le­gungs- und Beweis­last für den Abschluss einer Schieds­ver­ein­ba­rung im Sin­ne von Art. II UNÜ2.

Gemäß § 416 ZPO begrün­den Pri­vat­ur­kun­den, sofern sie von den Aus­stel­lern unter­schrie­ben oder mit­tels nota­ri­ell beglau­big­ten Hand­zei­chens unter­zeich­net sind, vol­len Beweis dafür, dass die in ihnen ent­hal­te­nen Erklä­run­gen von den Aus­stel­lern abge­ge­ben sind.

Die durch die Echt­heit der Unter­schrif­ten begrün­de­te Beweis­kraft einer Pri­vat­ur­kun­de kann aller­dings durch äuße­re Män­gel der Urkun­de auf­ge­ho­ben oder gemin­dert sein; beim Vor­lie­gen äuße­rer Män­gel einer Pri­vat­ur­kun­de hat das Gericht gemäß § 286 ZPO in frei­er Beweis­wür­di­gung zu ent­schei­den, ob die­se Män­gel die durch die Echt­heit der Unter­schrif­ten begrün­de­te Beweis­kraft der Urkun­de auf­he­ben oder min­dern3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Febru­ar 2017 — I ZB 11515

  1. BGBl.1961 II S. 121 []
  2. vgl. OLG Cel­le, Schieds­VZ 2004, 165, 167 f.; OLG Mün­chen, OLGR 2009, 263; Zöller/Geimer, ZPO, 31. Aufl., Anh § 1061 Art. V UNÜ Rn. 1, jeweils mwN []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 15.11.1979 — III ZR 9378, NJW 1980, 893 []