Das nicht existierende institutionelle Schiedsgericht

Ver­ein­ba­ren die Par­tei­en irr­tüm­lich die Zustän­dig­keit eines nicht exis­tie­ren­den insti­tu­tio­nel­len Schieds­ge­richts, ist die Schieds­ab­re­de nicht ohne wei­te­res „undurch­führ­bar“ (§ 1032 Abs. 1 a.E.); viel­mehr ist zunächst im Wege der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung zu prü­fen, ob ein bestimm­tes ande­res Schieds­ge­richt zur Ent­schei­dung beru­fen ist.

Das nicht existierende institutionelle Schiedsgericht

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 20. Janu­ar 19941 ist nicht ein­schlä­gig. Die­se erging noch zu § 1033 Nr. 1 ZPO a.F., wonach ein Schieds­ver­trag, sofern nicht für den betref­fen­den Fall durch eine Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en Vor­sor­ge getrof­fen ist, außer Kraft tritt, wenn eine bestimm­te Per­son im Ver­trag zum Schieds­rich­ter ernannt ist und nach­träg­lich weg­fällt. Hier­von aus­ge­hend hat der Bun­des­ge­richts­hof, der zunächst § 1033 Nr. 1 ZPO a.F. auf den nach­träg­li­chen Weg­fall eines soge­nann­ten insti­tu­tio­nel­len Schieds­ge­richts ent­spre­chend ange­wandt hat, die Mög­lich­keit einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung durch Bestim­mung eines Ersatz­schieds­ge­richts mit der Begrün­dung ver­neint, hier­für sei schon des­halb kein Raum, weil die­ser Punkt nicht rege­lungs­be­dürf­tig sei2. Den Geset­zes­ma­te­ria­li­en sei zu ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber für den Fall, dass der Ver­trag inso­weit eine (aus­drück­li­che) Bestim­mung nicht ent­hal­te, in § 1033 ZPO selbst die not­wen­di­ge Anord­nung — Außer­kraft­tre­ten der Schieds­ab­re­de — tref­fen woll­te. Da § 1033 ZPO somit eine kla­re Rechts­fol­ge anord­ne, feh­le es an der für eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung erfor­der­li­chen rege­lungs­be­dürf­ti­gen Lücke. § 1033 ZPO a.F. ist jedoch im Zuge des Schieds­ver­fah­rens­Neu­re­ge­lungs­ge­set­zes zum 1. Janu­ar 1998 aus­drück­lich gestri­chen wor­den, um die Mög­lich­keit der Auf­recht­erhal­tung einer Schieds­ab­re­de in sol­chen Fäl­len zu erhal­ten3. Die Rechts­la­ge hat sich inso­weit ent­schei­dend geän­dert. Ste­hen aber gesetz­li­che Bestim­mun­gen nicht ent­ge­gen, ist, wenn die Par­tei­en irr­tüm­lich ein nicht exis­ten­tes Schieds­ge­richt bestim­men oder ein Schieds­ge­richt nach­träg­lich in Weg­fall gerät, zunächst zu prü­fen, ob die Schieds­klau­sel im Sin­ne der Zustän­dig­keit eines ande­ren Schieds­ge­richts ergän­zend aus­ge­legt wer­den kann (§§ 133, 157 BGB). Dies liegt im Übri­gen durch­aus auf der Linie der BGH-Recht­spre­chung, denn in dem ange­führ­ten Urteil vom 20. Janu­ar 1994 hat sich der Bun­des­ge­richts­hof (hilfs­wei­se) mit der Mög­lich­keit einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung näher beschäf­tigt4.

Dem­entspre­chend geht die ober­ge­richt­li­che Recht­spre­chung zum neu­en Recht davon aus, dass es im Fal­le der Nicht­exis­tenz der im Ver­trag bestimm­ten Schieds­or­ga­ni­sa­ti­on zunächst gebo­ten ist, eine Lösung die­ses Pro­blems im Wege einer (ergän­zen­den) Ver­trags­aus­le­gung zu suchen5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juli 2011 — III ZB 7010 — OLG Köln

  1. BGH, Urteil vom 20.01.1994 — III ZR 14392, BGHZ 125, 7 = WM 1994, 520 []
  2. aaO S. 17 f []
  3. BT-Drucks. 135274 S. 43 []
  4. aaO WM 1994, 520, 524 f, inso­weit in BGHZ 125, 7 nicht voll­stän­dig abge­druckt []
  5. vgl. hier­zu nur KG, KGR 2001, 49, 50 f; OLG Frank­furt, Schieds­VZ 2007, 217, 218; OLG Karls­ru­he, OLGR 2007, 990, 992; sie­he auch OLG Frank­furt, OLGR 2004, 9, 11; zum nach­träg­li­chen Weg­fall einer Schieds­or­ga­ni­sa­ti­on vgl. auch Münch­Komm-ZPO/ Münch, 3. Aufl., § 1032 Rn. 8; Schwab/Walter, Schieds­ge­richts­bar­keit, 7. Aufl., Kap. 8, Rn. 13; Zöller/Geimer, ZPO, 28. Aufl., § 1029, Rn. 101, § 1039 Rn. 1 []