Das Vereinsgericht als Schiedsgericht

Der „Beru­fungs­aus­schuss“ (hier: des Deut­schen Fuss­ball­bun­des) ist kein Schieds­ge­richt im Sin­ne der §§ 1025 ff. ZPO, das an die Stel­le der staat­li­chen Gerich­te tritt, und sei­ne Ent­schei­dung kein Schieds­spruch. Durch die Ver­eins­sat­zung kön­nen zwar auf das Mit­glied­schafts­ver­hält­nis bezo­ge­ne Strei­tig­kei­ten zwi­schen einem Ver­eins­mit­glied und dem Ver­ein einem Schieds­ge­richt zuge­wie­sen wer­den, für das gemäß § 1066 ZPO die §§ 1025 ff. ZPO ent­spre­chend gel­ten1. In Anleh­nung an § 1029 Abs. 1 ZPO ist das sat­zungs­mä­ßig beru­fe­ne Gericht aber nur dann ein Schieds­ge­richt im Sin­ne der §§ 1025 ff. ZPO, wenn Rechts­strei­tig­kei­ten unter Aus­schluss des ordent­li­chen Rechts­wegs der Ent­schei­dung durch eine unab­hän­gi­ge und unpar­tei­li­che Instanz unter­wor­fen wer­den2. Um ein sol­ches Schieds­ge­richt zu sein, muss das Ver­eins­ge­richt sat­zungs­mä­ßig als unab­hän­gi­ge und unpar­tei­li­che Stel­le orga­ni­siert sein3. Die Streit­be­tei­lig­ten müs­sen pari­tä­tisch Ein­fluss auf des­sen Beset­zung neh­men4. In der Sat­zung des Klä­gers ist nicht gewähr­leis­tet, dass der Beru­fungs­aus­schuss bei einer Strei­tig­keit zwi­schen dem Ver­ein und einem Ver­eins­mit­glied wie sie hier vor­liegt den Betei­lig­ten als neu­tra­ler Drit­ter gegen­über­steht. Die Mit­glie­der des Beru­fungs­aus­schus­ses des Klä­gers wer­den nach Art. 21 Abs. 2 der Sat­zung von der Gene­ral­ver­samm­lung des Klä­gers gewählt. Das genügt nicht dem Erfor­der­nis der pari­tä­ti­schen Bestim­mung der Schieds­rich­ter durch die Streit­par­tei­en.

Das Vereinsgericht als Schiedsgericht

Viel­mehr ist der Beru­fungs­aus­schuss des Klä­gers, wie das Beru­fungs­ur­teil zutref­fend erkennt, ein ver­eins­in­ter­nes Gericht, d.h. ein ver­bands­in­ter­nes Organ, dem in Aus­übung der auto­no­men, Ver­bän­den zuste­hen­den Befug­nis zur inne­ren Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on eine Ent­schei­dungs­zu­stän­dig­keit in bestimm­ten sat­zungs­mä­ßig gere­gel­ten Berei­chen zuge­wie­sen ist. Sol­che Ent­schei­dun­gen der Ver­eins- oder Ver­bands­ge­rich­te sind grund­sätz­lich nach den all­ge­mei­nen Vor­schrif­ten, das heißt in der Regel mit der Kla­ge nach den §§ 253 ff. ZPO, über­prüf­bar5.

Der Streit­fall betrifft kei­ne Ange­le­gen­heit der inne­ren Ord­nung eines Ver­eins, für die die Befas­sung der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit in frü­he­rer höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ver­sagt wur­de, solan­ge nicht die Mit­glie­der­ver­samm­lung dar­über Beschluss gefasst hat­te6. Die Klä­rung des Lizenz­ver­hält­nis­ses zwi­schen Ver­ein und betrof­fe­nem Mit­glied geht über eine Ange­le­gen­heit der inne­ren Ord­nung hin­aus.

Es liegt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­on auch kei­ne Strei­tig­keit zwi­schen Orga­nen eines Ver­eins vor. Der Klä­ger oder sein Vor­stand geht nicht gegen den Beru­fungs­aus­schuss als Kla­ge­geg­ner vor. Viel­mehr begehrt der Ver­ein eine gericht­li­che Fest­stel­lung gegen­über dem von der Ver­eins­ent­schei­dung betrof­fe­nen Mit­glied. Die Strei­tig­keit wird nicht allein dadurch zu einem Ver­bands­organ­streit, dass eine Maß­nah­me des Vor­stands und eine Ent­schei­dung des Beru­fungs­aus­schus­ses des Klä­gers im Rah­men der Fest­stel­lung eines Rechts­ver­hält­nis­ses nach § 256 ZPO Gegen­stand der gericht­li­chen Über­prü­fung sind. Es ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung, dass Ver­eins­maß­nah­men grund­sätz­lich zur gericht­li­chen Nach­prü­fung gebracht wer­den kön­nen und dabei die Fest­stel­lung der Unwirk­sam­keit einer Maß­nah­me Gegen­stand des Antrags sein kann7. Dabei hat das Gericht gege­be­nen­falls auch eine in zwei­ter Ver­eins­in­stanz erlas­se­ne Ent­schei­dung zu über­prü­fen8.

Ist für eine belas­ten­de Maß­nah­me des Ver­eins gegen ein Mit­glied ein ver­eins­in­tern vor­ge­se­he­ner Rechts­weg erschöpft und ver­eins­in­tern eine Ent­schei­dung getrof­fen, so ist es dem Ver­ein ent­ge­gen der Ansicht der Revi­si­on, die dafür kein schutz­wür­di­ges Inter­es­se sieht auch nicht von vor­ne­her­ein ver­wehrt, die­se Ent­schei­dung zur Über­prü­fung durch staat­li­che Gerich­te zu stel­len9.

Einem Ver­ein ist der Zugang zu den staat­li­chen Gerich­ten im Ver­hält­nis zu sei­nen Mit­glie­dern bei Vor­lie­gen der sons­ti­gen Zuläs­sig­keits- und Sachur­teils­vor­aus­set­zun­gen grund­sätz­lich nicht allein des­halb ver­sagt, weil durch eine ver­eins­in­ter­ne Rechts­mit­tel­in­stanz eine ver­eins­in­tern abschlie­ßen­de Ent­schei­dung getrof­fen wor­den ist. Dies folgt aus der ver­fas­sungs­recht­lich auch für den Ver­ein ver­bürg­ten Rechts­weg­ga­ran­tie.

Es kann offen blei­ben, ob etwas ande­res gilt, wenn der Ver­ein in sei­ner Sat­zung ein­deu­tig für sich selbst den Rechts­weg zu den staat­li­chen Gerich­ten aus­ge­schlos­sen hat. Für den von einer belas­ten­den Ver­eins­maß­nah­me Betrof­fe­nen wer­den Sat­zungs­klau­seln, die den Rechts­weg zur staat­li­chen Gerichts­bar­keit ohne Gewähr einer ech­ten Schieds­ge­richts­bar­keit aus­schlie­ßen, als unwirk­sam ange­se­hen oder ihnen nur die Wir­kung bei­gemes­sen, dass grund­sätz­lich der ver­eins­in­ter­ne Rechts­weg als Vor­schalt­ver­fah­ren erschöpft sein muss, bevor die staat­li­che Gerichts­bar­keit ange­ru­fen wer­den darf10.

Mit der Bestim­mung in Art. 23 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung des Klä­gers, dass eine Ent­schei­dung des Beru­fungs­aus­schus­ses „ver­eins­in­tern end­gül­tig“ ist, hat sich der Klä­ger jeden­falls nicht selbst des Rechts­wegs zur staat­li­chen Gerichts­bar­keit nach Abschluss des ver­eins­in­ter­nen Ver­fah­rens bege­ben. Die Sat­zung eines Ver­eins ist nach objek­ti­ven Gesichts­punk­ten aus sich her­aus aus­zu­le­gen und der Aus­le­gung durch das Revi­si­ons­ge­richt zugäng­lich11. Dem Wort­laut der Rege­lung kann ein Aus­schluss des Rechts­wegs zu den staat­li­chen Gerich­ten nicht ent­nom­men wer­den12. Die Rege­lung lässt die Ent­schei­dung des Beru­fungs­aus­schus­ses ver­eins­in­tern end­gül­tig sein und besagt damit nur, dass inner­halb des Ver­eins kei­ne Über­prü­fung durch ein wei­te­res Organ vor­ge­se­hen ist. Ins­be­son­de­re ent­hält die Rege­lung kei­ne Beschrän­kung der Über­prüf­bar­keit nur von Sei­ten des Ver­eins. Da für das Ver­eins­mit­glied die Anru­fung der staat­li­chen Gerich­te nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, wäre zu erwar­ten, dass sich Anhalts­punk­te für eine ein­sei­ti­ge Beschrän­kung der Über­prü­fung im Wort­laut oder Zusam­men­hang der Sat­zungs­be­stim­mung fin­den las­sen.

  1. BGH, Beschluss vom 27.05.2004 — III ZB 5303, BGHZ 159, 207, 211; Urteil vom 03.04.2000 — II ZR 37398, BGHZ 144, 146, 148 []
  2. BGH, Beschluss vom 27.05.2004 — III ZB 5303, BGHZ 159, 207, 211 f. mwN []
  3. BGH, Beschluss vom 27.05.2004 — III ZB 5303, BGHZ 159, 207, 212 mwN []
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 27.05.2004 — III ZB 5303, BGHZ 159, 207, 213 f.; Urteil vom 28.11.1994 — II ZR 1194, BGHZ 128, 93, 109 []
  5. BGH, Beschluss vom 27.05.2004 — III ZB 5303, BGHZ 159, 207, 211; vgl. für Ent­schei­dun­gen über Dis­zi­pli­nar­maß­nah­men BGH, Urteil vom 28.11.1994 — II ZR 1194, BGHZ 128, 93, 110 []
  6. vgl. BGH, Urteil vom 14.03.1968 — II ZR 5266, BGHZ 49, 396, 398; RGZ 79, 409, 411 []
  7. vgl. BGH, Urteil vom 28.11.1994 — II ZR 1194, BGHZ 128, 93, 110 mwN []
  8. BGH, Urteil vom 27.02.1954 — II ZR 1753, BGHZ 13, 5, 13 []
  9. vgl. Rei­chert, Hand­buch Ver­eins- und Ver­bands­recht, 12. Aufl., Rn. 3206, 3319, 3380; Stöber/Otto, Hand­buch zum Ver­eins­recht, 10. Aufl., Rn. 1027; aA wohl Haas in Haas/Haug/Reschke, Hand­buch des Sport­rechts, Stand Juli 2005, Ord­ner 1, 2. Kap., Rn. 137 []
  10. vgl. BGH, Urteil vom 06.03.1967 — II ZR 23164, BGHZ 47, 172, 174 f.; Urteil vom 26.02.1959 — II ZR 13757, BGHZ 29, 352, 354 []
  11. BGH, Beschluss vom 24.04.2012 — II ZB 810, ZIP 2012, 1097 Rn. 17; Urteil vom 21.01.1991 — II ZR 14490, BGHZ 113, 237, 240; Urteil vom 28.11.1988 — II ZR 9688, BGHZ 106, 67, 71 []
  12. vgl. für eine ähn­li­che Klau­sel BGH, Urteil vom 26.02.1959 — II ZR 13757, BGHZ 29, 352, 354 []