Der vollstreckbare Schiedsspruch und der Erfüllungseinwand

Der Erfül­lungs­ein­wand des Schuld­ners ist grund­sätz­lich auch im Ver­fah­ren der Zwangs­voll­stre­ckung nach §§ 887, 888 ZPO zur Durch­set­zung eines für voll­streck­bar erklär­ten Schieds­spruchs zu berück­sich­ti­gen.

Der vollstreckbare Schiedsspruch und der Erfüllungseinwand

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist der Schuld­ner nicht nur im Ver­fah­ren der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge nach § 767 ZPO, son­dern auch im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nach § 887 ZPO mit sei­nem Ein­wand zu hören, der voll­streck­ba­re Anspruch sei erfüllt1. Das gilt glei­cher­ma­ßen für das — hier in Rede ste­hen­de — Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nach § 888 ZPO2.

Für die Prü­fung des Erfül­lungs­ein­wands in Ver­fah­ren nach §§ 887, 888 ZPO statt erst bei der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge kann — unter ande­rem — die Pro­zess­öko­no­mie spre­chen. Eine Beweis­erhe­bung über die Ein­wen­dun­gen des Schuld­ners ist — soweit nötig — in bei­den Ver­fah­ren mög­lich und liegt stets in den Hän­den des Pro­zess­ge­richts. Die­ses ist im Ver­fah­ren nach §§ 887, 888 ZPO ohne­hin grund­sätz­lich ver­pflich­tet, Beweis zu erhe­ben. Das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren wür­de durch die Ver­wei­sung des Schuld­ners auf den Weg der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge auch nicht beschleu­nigt. Bei Erhe­bung der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge müss­te dem Schuld­ner unter Umstän­den Voll­stre­ckungs­auf­schub nach § 769 ZPO gewährt wer­den und wür­de das Ver­fah­ren ange­sichts der ein­zu­hal­ten­den Fris­ten letzt­lich ver­zö­gert. Die Fra­ge, ob die vom Schuld­ner unstrei­tig vor­ge­nom­me­nen Hand­lun­gen dem ent­spre­chen, was der Titel ihm gebie­tet, kann das Pro­zess­ge­richt als Voll­stre­ckungs­ge­richt auf­grund sei­ner Kennt­nis vom Inhalt des Rechts­streits zudem am ehes­ten ent­schei­den3.

Der Erfül­lungs­ein­wand des Schuld­ners ist im Zwangs­voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nach §§ 887, 888 ZPO grund­sätz­lich auch dann zu berück­sich­ti­gen, wenn der Gläu­bi­ger die Zwangs­voll­stre­ckung aus einem für voll­streck­bar erklär­ten Schieds­spruch betreibt.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind sach­lich­recht­li­che Ein­wen­dun­gen gegen den im Schieds­spruch zuer­kann­ten Anspruch inner­halb des Ver­fah­rens über die Voll­streck­bar­er­klä­rung des Schieds­spruchs (vgl. § 1062 Abs. 1 Nr. 4 Fall 2 ZPO) zuläs­sig, soweit auf sie eine Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gestützt wer­den könn­te4.

Es wäre nicht sinn­voll, wenn der Schuld­ner in sol­chen Fäl­len die Voll­streck­bar­er­klä­rung hin­neh­men und wegen sei­ner Ein­wen­dun­gen einen neu­en Rechts­streit nach § 767 ZPO anhän­gig machen müss­te; viel­mehr ist es im Inter­es­se der Ver­fah­rens­kon­zen­tra­ti­on gebo­ten, im Ver­fah­ren über die Voll­streck­bar­er­klä­rung Ein­wen­dun­gen zuzu­las­sen, die an sich zum Anwen­dungs­be­reich der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge nach § 767 ZPO gehö­ren5.

Sach­lich­recht­li­che Ein­wen­dun­gen gegen den Schieds­spruch kön­nen aber auch im Ver­fah­ren zur Durch­set­zung des für voll­streck­bar erklär­ten Schieds­spruchs vor­ge­bracht wer­den.

Dafür kann aller­dings nicht ange­führt wer­den, die Fra­ge, ob die vom Schuld­ner unstrei­tig vor­ge­nom­me­nen Hand­lun­gen dem ent­spre­chen, was der Titel ihm gebie­te, kön­ne am ehes­ten vom Ober­lan­des­ge­richt als Voll­stre­ckungs­ge­richt auf­grund sei­ner Kennt­nis vom Inhalt des Rechts­streits ent­schie­den wer­den. Das Ober­lan­des­ge­richt ist im Erkennt­nis­ver­fah­ren nicht mit dem Rechts­streit befasst gewe­sen und hat von daher auch kei­ne Kennt­nis vom Inhalt des Rechts­streits. Für eine Zulas­sung sach­lich­recht­li­cher Ein­wen­dun­gen im Ver­fah­ren zur Durch­set­zung des Schieds­spruchs spre­chen jedoch die ande­ren Grün­de, die der Bun­des­ge­richts­hof bereits in sei­nen frü­he­ren Ent­schei­dun­gen als maß­geb­lich ange­se­hen hat6.

So hängt die Voll­stre­ckung gemäß § 887 ZPO schon nach dem Wort­laut die­ser Vor­schrift davon ab, dass der Schuld­ner sei­ne Ver­pflich­tung zur Vor­nah­me einer (ver­tret­ba­ren) Hand­lung nicht erfüllt. Der Wort­laut des § 888 ZPO knüpft an den des § 887 ZPO an. Die Voll­stre­ckung nach § 888 ZPO setzt daher gleich­falls vor­aus, dass der Schuld­ner sei­ne — auf die Vor­nah­me einer (nicht ver­tret­ba­ren) Hand­lung gerich­te­te — Ver­pflich­tung nicht erfüllt.

Dass der Erfül­lungs­ein­wand in Ver­fah­ren nach §§ 887, 888 ZPO als erheb­lich anzu­se­hen sein soll, ergibt sich fer­ner aus der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs zur Neu­fas­sung der Kos­ten­vor­schrift des § 891 Satz 3 ZPO durch die 2. Zwangs­voll­stre­ckungs­no­vel­le vom 17.12.19977. Danach soll die­se Neu­fas­sung der Mög­lich­keit Rech­nung tra­gen, dass Voll­stre­ckungs­an­trä­ge des Gläu­bi­gers etwa nur des­halb teil­wei­se erfolg­reich sind, weil der Schuld­ner nach­weist, dass er die ver­tret­ba­re oder unver­tret­ba­re Hand­lung teil­wei­se erfüllt hat8.

Schließ­lich ist es auch im Inter­es­se der Ver­fah­rens­kon­zen­tra­ti­on gebo­ten, sach­lich­recht­li­che Ein­wen­dun­gen, auf die eine Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge gestützt wer­den könn­te, bereits im Ver­fah­ren zur Durch­set­zung des für voll­streck­bar erklär­ten Schieds­spruchs zuzu­las­sen und den Schuld­ner nicht auf den Weg der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge zu ver­wei­sen. Eine Beweis­erhe­bung über die Ein­wen­dun­gen des Schuld­ners ist, soweit nötig, in bei­den Ver­fah­ren mög­lich. Das Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren wür­de auch nicht beschleu­nigt, son­dern könn­te eher ver­zö­gert wer­den, wenn der Schuld­ner auf den Weg der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge ver­wie­sen wür­de9.

Abwei­chen­des gilt im Schieds­ver­fah­ren aller­dings, wenn der gel­tend gemach­te Ein­wand sei­ner­seits der Schieds­ab­re­de unter­liegt. In die­sem Fall ist nicht das Ober­lan­des­ge­richt, son­dern das Schieds­ge­richt zur Ent­schei­dung beru­fen10.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Juni 2013 — I ZB 5612

  1. BGH, Beschluss vom 05.11.2004 — IXa ZB 3204, BGHZ 161, 67, 71 ff.; Beschluss vom 22.09.2005 — I ZB 405; Beschluss vom 17.09.2009 — I ZB 6709, Jur­Bü­ro 2009, 662 Rn. 7; Beschluss vom 20.01.2011 — I ZB 6709, NJW-RR 2011, 470 Rn. 11 []
  2. OLG Hamm, Beschluss vom 07.06.2010 — 7 W 1310, mwN; OLG Frank­furt a.M., Beschluss vom 10.12.2010 — 13 Sch 110; Zöller/Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 888 Rn. 11; Musielak/Lackmann, ZPO, 10. Aufl., § 888 Rn. 8 []
  3. vgl. BGHZ 161, 67, 72 f. []
  4. BGH, Beschluss vom 08.11.2007 — III ZB 9506, NJW-RR 2008, 659 Rn. 31; Beschluss vom 30.09.2010 — III ZB 5710, NJW-RR 2011, 213 Rn. 8 f. mwN []
  5. BGH, NJW-RR 2008, 659 Rn. 31 mwN []
  6. vgl. BGHZ 161, 67, 71 ff.; BGH, NJW-RR 2008, 659, 662 Rn. 31 []
  7. BGBl. I S. 3039 []
  8. vgl. BT-Drucks. 13341, S. 41 []
  9. vgl. BGHZ 161, 67, 72 f. []
  10. BGH, Urteil vom 03.12.1986 — IV ZR 8085, BGHZ 99, 143, 146 ff.; Beschluss vom 19.12.1995 — III ZR 19494, NJW-RR 1996, 508; BGH, NJW-RR 2008, 659 Rn.19; NJW-RR 2011, 213 Rn. 10; OLG Frank­furt a.M., Beschluss vom 10.12.2010 — 13 Sch 110 []