Formerfordernisse bei einem 2004 geschlossenen Schiedsvertrag

Ent­hält eine Schieds­ver­ein­ba­rung betref­fend Rechts­strei­tig­kei­ten aus einem im Jahr 2004 geschlos­se­nen Ver­trag eines aus­län­di­schen Unter­neh­mers mit einem inlän­di­schen Ver­brau­cher die Wahl aus­län­di­schen Rechts, bemisst sich ihre Form­gül­tig­keit in ent­spre­chen­der Anwen­dung von Art. 29 Abs. 3 Satz 2 EGBGB aF nach § 1031 Abs. 5 ZPO1.

Formerfordernisse bei einem 2004 geschlossenen Schiedsvertrag

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof für eine 2004 getrof­fe­ne Schieds­klau­sel, die weder die Schrift­form des Art. II UNÜ wahr­te2 noch den Form­vor­schrif­ten des deut­schen Rechts (§ 1031 Abs. 5 ZPO) genüg­te, des­sen Anwen­dung hier über den Meist­be­güns­ti­gungs­grund­satz (Art. VII UNÜ) eröff­net ist.

Soweit die Par­tei­en in Bezug auf eine Schieds­klau­sel, die sich in einem Ver­brau­cher­ver­trag im Sin­ne von Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF befin­det, eine Rechts­wahl — anders als hier — nicht getrof­fen haben, füh­ren die nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs im Kol­li­si­ons­fall beru­fe­nen Regeln des deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts auf­grund der beson­de­ren Kol­li­si­ons­norm des Art. 29 Abs. 3 Satz 2 EGBGB aF zur Maß­geb­lich­keit der Form­vor­schrif­ten des deut­schen Rechts3.

Dar­an ändert sich im Ergeb­nis nichts, wenn die Schieds­ver­ein­ba­rung die Wahl aus­län­di­schen — wie hier New Yor­ker — Rechts ent­hält. Das gilt jeden­falls für den hier gege­be­nen Fall, in dem die Schieds­ver­ein­ba­rung mit der dies­be­züg­li­chen Rechts­wahl die Form des Art. II UNÜ nicht wahrt und des­we­gen unwirk­sam ist, und unab­hän­gig davon, ob eine mit der Wahl aus­län­di­schen Rechts und eines aus­län­di­schen Schieds­or­tes ver­bun­de­ne Schieds­klau­sel unter Umstän­den gemäß § 305c Abs. 1 BGB4 oder § 307 BGB5 unwirk­sam ist.

In der Lite­ra­tur ist aller­dings strei­tig, nach wel­chem Recht die Form­gül­tig­keit der Schieds­ab­re­de eines Ver­brau­chers bei einer auf sie bezo­ge­nen Rechts­wahl zu beur­tei­len ist.

So wird einer­seits die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass sich in einem sol­chen Fall die Form­gül­tig­keit der Schieds­ab­re­de aus­schließ­lich nach dem gewähl­ten Recht rich­te6.

Die Gegen­mei­nung wen­det mit unter­schied­li­cher Begrün­dung die den Ver­brau­cher­schutz beto­nen­de Rege­lung des § 1031 Abs. 5 ZPO auch bei der Wahl aus­län­di­schen Rechts an. Dabei wird teil­wei­se § 1031 Abs. 5 ZPO als lex fori für unmit­tel­bar anwend­bar ange­se­hen7. Über­wie­gend wird aber eine ana­lo­ge Anwen­dung von Art. 29 Abs. 3 Satz 2 EGBGB aF befür­wor­tet8.

Auch der erken­nen­de Bun­des­ge­richts­hof hat in sei­nem Beschluss vom 10.02.19989 Art. 29 — Schieds­klau­sel 1)) trotz Ver­ein­ba­rung aus­län­di­schen Rechts die Form­vor­schrift des § 1027 Abs. 1 Satz 1 ZPO aF über Art. 29 EGBGB aF ange­wen­det. Der Bun­des­ge­richts­hof hält an die­ser Ent­schei­dung, deren Kern­aus­sa­ge auch für die Neu­fas­sung des § 1031 Abs. 5 ZPO wei­ter­hin gilt10, mit der Maß­ga­be fest, dass in Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den Art. 29 EGBGB aF ledig­lich ent­spre­chend anwend­bar ist. Die Schieds­ab­re­de selbst ist kein Ver­brau­cher­ver­trag im Sin­ne von Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF, so dass eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung der Vor­schrift aus­schei­det. Bezieht sich die Schieds­ab­re­de aber auf Rechts­strei­tig­kei­ten aus oder im Zusam­men­hang mit einem Ver­brau­cher­ver­trag im Sin­ne von Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF, ist die ana­lo­ge Anwen­dung der Vor­schrift gebo­ten, weil sonst eine mit dem Ver­brau­cher­schutz nicht zu ver­ein­ba­ren­de form­freie Unter­wer­fung inlän­di­scher Ver­brau­cher unter die Juris­dik­ti­on aus­län­di­scher Schieds­ge­rich­te mög­lich wäre11.

Bei dem Kon­to­füh­rungs­ver­trag, in dem die Schieds­klau­sel ent­hal­ten ist, han­delt es sich um einen Ver­brau­cher­ver­trag im Sin­ne von Art. 29 Abs. 1 EGBGB aF, weil Bank- und Bör­sen­ge­schäf­te, die der Pfle­ge des eige­nen Ver­mö­gens die­nen, grund­sätz­lich nicht als beruf­li­che oder gewerb­li­che Tätig­keit gel­ten12. Die in der Ein­re­de­si­tua­ti­on für das wirk­sa­me Zustan­de­kom­men einer Schieds­ver­ein­ba­rung dar­le­gungs- und beweis­be­las­te­te Beklag­te13 hat kei­ne der Ver­brau­cher­ei­gen­schaft ent­ge­gen­ste­hen­den Umstän­de dar­ge­legt.

Liegt danach eine Ver­ein­ba­rung eines Ver­brau­chers vor, auf die sich die Schieds­ab­re­de bezieht, so sind in ent­spre­chen­der Anwen­dung von Art. 29 Abs. 3 Satz 1 EGBGB aF die all­ge­mei­nen die Form betref­fen­den Kol­li­si­ons­re­geln des Art. 11 Abs. 1 bis 3 EGBGB aF nicht anwend­bar und es gilt unab­hän­gig von einer getrof­fe­nen Rechts­wahl für die Form das Recht des Auf- ent­halts­orts des Ver­brau­chers, ohne dass ein Güns­tig­keits­ver­gleich statt- fin­det14. Hier­durch wird nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass der Ver­brau­cher meist nur mit den Form­vor­schrif­ten sei­nes Auf­ent­halt­staa­tes ver­traut ist und dar­über hin­aus im Bereich des Ver­brau­cher­schut­zes ein enger Zusam­men­hang zwi­schen der für ein Rechts­ge­schäft vor­ge­schrie­be­nen Form und den zwin­gen­den mate­ri­ell­recht­li­chen Schutz­vor­schrif­ten besteht, die den Ver­brau­cher am Ort sei­nes gewöhn­li­chen Auf­ent­hal­tes auch im Fall einer Rechts­wahl schüt­zen15.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. März 2011 — XI ZR 19708

  1. Fort­ent­wick­lung von BGH, Beschluss vom 10.02.1998 — XI ZR 30596, BGHR EGBGB (1986) Art. 29 — Schieds­klau­sel 1 []
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.06.2010 — XI ZR 34908, WM 2010, 2025 Rn. 25 ff. und XI ZR 4109, WM 2010, 2032 Rn. 19 ff., jeweils mwN []
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.06.2010 — XI ZR 34908, WM 2010, 2025 Rn. 35 sowie vom 25.01.2011 — XI ZR 35008, WM 2011, 548 Rn. 24, XI ZR 10009, WM 2011, 645 Rn. 26 und XI ZR 10609, WM 2011, 735 Rn. 29 []
  4. vgl. dazu Ber­ger, ZBB 2003, 77, 89 f. []
  5. vgl. dazu Wagner/Quinke, JZ 2005, 932, 937 []
  6. vgl. Reithmann/Martiny/Hausmann, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 7. Aufl., Rn. 6712; Wei­he, Der Schutz der Ver­brau­cher im Recht der Schieds­ge­richts­bar­keit, S. 235 ff. []
  7. so frü­her Staudinger/Hausmann, BGB (2002), Anhang II zu Art. 2737 EGBGB Rn. 287; ders., Fest­schrift für Lorenz, S. 359, 376 f. []
  8. so Münch­Komm-ZPO/­Münch, 3. Aufl., § 1029 Rn. 34; Gil­deg­gen, Inter­na­tio­na­le Schieds- und Schieds­ver­fah­rens­ver­ein­ba­run­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen vor deut­schen Gerich­ten, S. 164 ff. []
  9. XI ZR 30596, BGHR EGBGB ((1986 []
  10. vgl. Ellen­ber­ger, WM 1999, Son­der­bei­la­ge Nr. 2, S. 21 []
  11. vgl. inso­fern zutref­fend Staudinger/Hausmann, BGB (2002), Anhang II zu Art. 2737 EGBGB Rn. 287 []
  12. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.10.2001 — XI ZR 6301, BGHZ 149, 80, 86; vom 08.06.2010 — XI ZR 34908, WM 2010, 2025 Rn. 34 sowie vom 25.01.2011 — XI ZR 35008, WM 2011, 548 Rn. 25, XI ZR 10009, WM 2011, 645 Rn. 27 und XI ZR 10609, WM 2011, 735 Rn. 30, jeweils mwN []
  13. vgl. BGH, Urteil vom 09.03.2010 — XI ZR 9309, BGHZ 184, 365 Rn. 22 []
  14. vgl. Soergel/von Hoff­mann, BGB, 12. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 40; Münch­Komm-BGB/M­ar­ti­ny, 4. Aufl., Art. 29 EGBGB Rn. 74; PWW/Remien, BGB, 5. Aufl., ex Art. 29 EGBGB Rn. 24 []
  15. BT-Drucks. 10504 S. 80 []