Schwierige Familienverhältnisse

11. April 2016 | Aktuelles
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Unterhält der rechtliche Vater zu seinem Kind keine schützenswerte, sozial gehaltvolle Beziehung und bildet mit ihm keine soziale Familie, kann der leibliche Vater die Vaterschaft anfechten.

So hat das Oberlandesgericht Hamm1 in dem hier vorliegenden Fall eines Kindes entschieden, das mit seiner Mutter weder gemeinsam mit dem leiblichen noch mit dem rechtlichen Vater zusammenlebt. Die aus einem westafrikanischen Staat stammende Kindesmutter hatte nach der Einreise nach Deutschland eine Beziehung mit dem ebenfalls dorther stammenden leiblichen Vater des Jungen. Bevor das Kind geboren worden ist, hat der in Deutschland lebende und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzende rechtliche Vater die Vaterschaft anerkannt. Gleichzeitig hat er sich zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet und eine gemeinsame Sorgerechtserklärung mit der Mutter abgegeben. Doch weder der rechtliche noch der leibliche Vater haben in der Vergangenheit mit dem Kind zusammengelebt. Aber es bestand von beiden ein regelmäßiger Kontakt zu dem Kind. Die Kindesmutter lebt in einer Beziehung mit dem Vater ihrer zwei jüngeren Kinder. Nachdem in einem Vaterschaftsfeststellungsverfahren die leibliche Vaterschaft des Antragstellers festgestellt worden ist, haben sich die Kindesmutter und der rechtliche Vater ohne Erfolg dagegen gewehrt.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts Hamm, das damit die Entscheidung des Amtsgerichts Münster bestätigt hat, bestehe zwischen dem Kind und seinem rechtlichen Vater keine sozial-familiäre Beziehung im Sinne des § 1600 BGB, die eine Anfechtung der Vaterschaft durch den biologischen Vater ausschließe. Es genüge nicht, dass der rechtliche Vater dem Jungen aufgrund bestehender Kontakte ein vertrauter Spielpartner sei und von ihm “Papa” genannt werde – zumal der Junge auch den neuen Partner seiner Mutter so bezeichne.

Mit dieser vom Gericht “aufgezwungenen” Entscheidung müssen nun alle Beteiligten leben. Seine Familienverhältnisse kann man nicht aufkündigen, man hat mit ihnen sein Leben zu bestreiten. Das fällt natürlich umso leichter, wenn man hinter einer wesentlichen Veränderung bzw. Entscheidung auch steht und sie mitträgt. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, den Weg zum Gericht erst als letzte Möglichkeit zu sehen und vorher nach Alternativen zu suchen: der Mediation.

Besonders bei schwierigen Familienvehältnissen und damit verbundenen Problemen bietet es sich an, durch die Mediation allen Beteiligten eine Lösung zu ermöglichen, aus der keiner als Verlierer hervorgeht. So arbeiten z. B. inzwischen auch Detekteien als Mediatoren. Dort werden die jeweiligen Kunden nicht mit dem aufgedeckten Problem alleingelassen, sondern mit Hilfe der Mediation versucht, gemeinsam mit allen Beteiligten eine Lösung des Problems zu finden. Erfahrene und geschulte Mediatoren ermöglichen die gemeinsame Beilegung eines Konfliktes bis zur rechtsverbindlichen Einigung.

Besonders wenn ein Kind betroffen ist, können Konflikte im familiären Umfeld zu schweren seelischen Belastungen führen. Fühlt sich eine Partei (vor Gericht) unterlegen, hat das Auswirkungen auf das Familienleben. Bei einer gelungenen Mediation können die Betroffenen besser mit den Folgen abschließen, da die Mediation eher ein Gerechtigkeitsgefühl hinterlässt als ein Gerichtsurteil. Darüberhinaus stehen alle auf einer Stufe und können sich weiter auf Augenhöhe begegnen. Dann ist auch ein weiteres Miteinander als familiäre Struktur möglich.

  1. OLG Hamm, Beschluss vom 11.02.2016 – 12 UF 244/14

 
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