Schwierige Familienverhältnisse

Unter­hält der recht­li­che Vater zu sei­nem Kind kei­ne schüt­zens­wer­te, sozi­al gehalt­vol­le Bezie­hung und bil­det mit ihm kei­ne sozia­le Fami­lie, kann der leib­li­che Vater die Vater­schaft anfech­ten.

Schwierige Familienverhältnisse

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm1 in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Kin­des ent­schie­den, das mit sei­ner Mut­ter weder gemein­sam mit dem leib­li­chen noch mit dem recht­li­chen Vater zusam­men­lebt. Die aus einem west­afri­ka­ni­schen Staat stam­men­de Kin­des­mut­ter hat­te nach der Ein­rei­se nach Deutsch­land eine Bezie­hung mit dem eben­falls dort­her stam­men­den leib­li­chen Vater des Jun­gen. Bevor das Kind gebo­ren wor­den ist, hat der in Deutsch­land leben­de und die deut­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit besit­zen­de recht­li­che Vater die Vater­schaft aner­kannt. Gleich­zei­tig hat er sich zur Zah­lung von Unter­halt ver­pflich­tet und eine gemein­sa­me Sor­ge­rechts­er­klä­rung mit der Mut­ter abge­ge­ben. Doch weder der recht­li­che noch der leib­li­che Vater haben in der Ver­gan­gen­heit mit dem Kind zusam­men­ge­lebt. Aber es bestand von bei­den ein regel­mä­ßi­ger Kon­takt zu dem Kind. Die Kin­des­mut­ter lebt in einer Bezie­hung mit dem Vater ihrer zwei jün­ge­ren Kin­der. Nach­dem in einem Vater­schafts­fest­stel­lungs­ver­fah­ren die leib­li­che Vater­schaft des Antrag­stel­lers fest­ge­stellt wor­den ist, haben sich die Kin­des­mut­ter und der recht­li­che Vater ohne Erfolg dage­gen gewehrt.

Schwierige FamilienverhältnisseNach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Hamm, das damit die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Müns­ter bestä­tigt hat, bestehe zwi­schen dem Kind und sei­nem recht­li­chen Vater kei­ne sozi­al-fami­liä­re Bezie­hung im Sin­ne des § 1600 BGB, die eine Anfech­tung der Vater­schaft durch den bio­lo­gi­schen Vater aus­schlie­ße. Es genü­ge nicht, dass der recht­li­che Vater dem Jun­gen auf­grund bestehen­der Kon­tak­te ein ver­trau­ter Spiel­part­ner sei und von ihm „Papa“ genannt wer­de — zumal der Jun­ge auch den neu­en Part­ner sei­ner Mut­ter so bezeich­ne.

Mit die­ser vom Gericht „auf­ge­zwun­ge­nen“ Ent­schei­dung müs­sen nun alle Betei­lig­ten leben. Sei­ne Fami­li­en­ver­hält­nis­se kann man nicht auf­kün­di­gen, man hat mit ihnen sein Leben zu bestrei­ten. Das fällt natür­lich umso leich­ter, wenn man hin­ter einer wesent­li­chen Ver­än­de­rung bzw. Ent­schei­dung auch steht und sie mit­trägt. Aus die­sem Grund ist es sinn­voll, den Weg zum Gericht erst als letz­te Mög­lich­keit zu sehen und vor­her nach Alter­na­ti­ven zu suchen: der Media­ti­on.

Beson­ders bei schwie­ri­gen Fami­li­en­ve­hält­nis­sen und damit ver­bun­de­nen Pro­ble­men bie­tet es sich an, durch die Media­ti­on allen Betei­lig­ten eine Lösung zu ermög­li­chen, aus der kei­ner als Ver­lie­rer her­vor­geht. So arbei­ten z. B. inzwi­schen auch Detek­tei­en als Media­to­ren. Dort wer­den die jewei­li­gen Kun­den nicht mit dem auf­ge­deck­ten Pro­blem allein­ge­las­sen, son­dern mit Hil­fe der Media­ti­on ver­sucht, gemein­sam mit allen Betei­lig­ten eine Lösung des Pro­blems zu fin­den. Erfah­re­ne und geschul­te Media­to­ren ermög­li­chen die gemein­sa­me Bei­le­gung eines Kon­flik­tes bis zur rechts­ver­bind­li­chen Eini­gung.

Beson­ders wenn ein Kind betrof­fen ist, kön­nen Kon­flik­te im fami­liä­ren Umfeld zu schwe­ren see­li­schen Belas­tun­gen füh­ren. Fühlt sich eine Par­tei (vor Gericht) unter­le­gen, hat das Aus­wir­kun­gen auf das Fami­li­en­le­ben. Bei einer gelun­ge­nen Media­ti­on kön­nen die Betrof­fe­nen bes­ser mit den Fol­gen abschlie­ßen, da die Media­ti­on eher ein Gerech­tig­keits­ge­fühl hin­ter­lässt als ein Gerichts­ur­teil. Dar­über­hin­aus ste­hen alle auf einer Stu­fe und kön­nen sich wei­ter auf Augen­hö­he begeg­nen. Dann ist auch ein wei­te­res Mit­ein­an­der als fami­liä­re Struk­tur mög­lich.

  1. OLG Hamm, Beschluss vom 11.02.2016 — 12 UF 24414 []