Die Tätigkeit als Mediator

Die Media­ti­on ist eine inzwi­schen aner­kann­te Alter­na­ti­ve, um einen Kon­flikt zu lösen und einen Streit bei­zu­le­gen. In den letz­ten 20 Jah­ren hat sich die­ses Ver­fah­ren stän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt und hat nicht zuletzt durch die EU-Richt­li­nie Ein­zug in die Gesetz­ge­bung gehal­ten. Zur Umset­zung der Media­ti­ons­richt­li­nie der Euro­päi­schen Uni­on1 ist am 26. Juli 2012 das Media­ti­ons­ge­setz in Kraft getre­ten.

Die Tätigkeit als Mediator

 

face-to-faceMit dem Inkraft­tre­ten des Rechts­dienst­leistungs­gesetzes (RDG) zum 1. Juli 2008 ist in § 2 Abs. 3 Nr. 4 fest­ge­legt, dass Media­ti­on eine rei­ne Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit ist und kei­ne Rechts­dienst­leis­tung — unter der Vor­aus­set­zung, es wird nicht durch recht­li­che Rege­lungs­vor­schlä­ge in die Gesprä­che der Betei­lig­ten ein­ge­grif­fen. Damit ist die Tätig­keit eines nicht anwalt­li­chen Media­tors wegen sei­ner poten­ti­ell rechts­be­ra­ten­den Tätig­keit und eines dem­entspre­chend mög­li­chen Ver­sto­ßes gegen das Rechts­be­ra­tungs­ge­setz nicht mehr juris­tisch umstrit­ten.

Zertifizierter Mediator

Nach § 6 Media­ti­onsG ist das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ermäch­tigt, durch eine Rechts­ver­ord­nung nähe­re Bestim­mun­gen zur Aus- und Fort­bil­dung von zer­ti­fi­zier­ten Media­to­ren fest­zu­le­gen. Die Bezeich­nung „zer­ti­fi­zier­ter Media­tor„darf erst geführt wer­den, wenn die­se Rechts­ver­ord­nung erlas­sen wor­den ist. Der bereits exis­tie­ren­de Ent­wurf2 ori­en­tiert sich an den ein­schlä­gi­gen Aus­füh­run­gen des Rechts­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges in der Beschluss­emp­feh­lung vom 1. Dezem­ber 20113. Im Ent­wurf hat man sich an die Aus- und Fort­bil­dungs­in­hal­te für den zer­ti­fi­zier­ten Media­tor gehal­ten, die durch den Arbeits­kreis „Zer­ti­fi­zie­rung für Media­to­rin­nen und Media­to­ren“ erar­bei­tet wur­den. In die­sem Arbeits­kreis waren Media­to­ren­ver­bän­den, Anwäl­te, Nota­re, die Rich­ter­schaft, Hoch­schu­len, die Ver­si­che­rungs­wirt­schaft und auch die Indus­trie- und Han­dels­kam­mern ver­tre­ten.

Wenn es vor Jah­ren haupt­säch­lich Media­to­ren gab, die ihre Tätig­keit auf kein bestimm­tes Gebiet ein­ge­schränkt haben, spe­zia­li­sie­ren sich gege­wär­tig immer mehr Media­to­ren auf ein bzw. weni­ge bestimm­te Berei­che, für die sie die Media­ti­on anbie­ten. Neben der Media­ti­on im Fami­li­en­be­reich mit Kon­flik­ten bei Schei­dung, Tren­nung und Erbaus­ein­an­der­set­zun­gen wird die Wirt­schafts­me­dia­ti­on, Umwelt­me­dia­ti­on und die Schul­me­dia­ti­on ange­bo­ten. Auch im straf­recht­li­chen Bereich bie­ten Media­to­ren ihre Diens­te beim Täter-Opfer-Aus­gleich an.

Rechtsanwalt als Mediator

Dar­über hin­aus ent­schei­den sich Rechts­an­wäl­te mit Zusatz­aus­bil­dung zum Media­tor dazu, ihre Diens­te nur noch außer­ge­richt­lich anzu­bie­ten. So hat eine Media­to­rin in Nürn­berg ihren Ent­schluss zur aus­schließ­li­chen außer­ge­richt­li­chen Tätig­keit damit begrün­det, dass viel­fach bei Kon­flik­ten im fami­liä­ren Rah­men ein Gerichts­ver­fah­ren die Fron­ten noch mehr ver­här­tet und folg­lich die Kon­flik­te nicht gelöst, son­dern eher ver­schärft wer­den.

Güterichter als Mediator

Seit Jah­ren besteht auch die Mög­lich­keit, vor Gericht die Media­ti­on in Anspruch zu neh­men — „Gerichts­me­dia­ti­on“. Seit 1. Janu­ar 2013 ist die­ses beson­de­re Ver­fah­ren zur güt­li­chen Streit­bei­le­gung durch die Güte­ver­hand­lung abge­löst. Als Güte­richter fun­giert ein in der Sache nicht ent­schei­dungs­be­fug­ter Rich­ter, der alle Metho­den der Kon­flikt­bei­le­gung ein­schließ­lich der Media­ti­on ein­set­zen kann.

  1. Richt­li­nie 2008/52/EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 21.05.2008 über bestimm­te Aspek­te der Media­ti­on in Zivil- und Han­dels­sa­chen []
  2. Ver­ord­nungs­ent­wurf des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz zur Ver­ord­nung über die Aus- und Fort­bil­dung von zer­ti­fi­zier­ten Media­to­ren, Zer­ti­fi­zier­te-Media­to­ren-Aus­bil­dungs-Ver­ord­nung – ZMe­diatAus­bV, Bear­bei­tungs­stand vom 31. Janu­ar 2014 []
  3. BT-Drs. 178058 []