Der Güteantrag zur Verjährungshemmung

27. November 2015 | Aktuelles
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Eine Klageforderung ist trotz eines anhängig gemachten Güteantrags wegen Ablaufs der kenntnisunabhängigen Verjährungsfrist nach § 199 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB verjährt (§ 214 Abs. 1 BGB), wenn der Güteantrag des Klägers nicht den Anforderungen an die nötige Individualisierung des geltend gemachten prozessualen Anspruchs nach § 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB entspricht1.

Der Güteantrag hat in Anlageberatungsfällen regelmäßig die konkrete Kapitalanlage zu bezeichnen, die Zeichnungssumme sowie den (ungefähren) Beratungszeitraum anzugeben und den Hergang der Beratung mindestens im Groben zu umreißen. Ferner ist das angestrebte Verfahrensziel zumindest soweit zu umschreiben, dass dem Gegner und der Gütestelle ein Rückschluss auf Art und Umfang der verfolgten Forderung möglich ist; eine genaue Bezifferung der Forderung muss der Güteantrag seiner Funktion gemäß demgegenüber grundsätzlich nicht enthalten2.

Diesen Erfordernissen genügt ein Güteantrag nicht, der keinen Bezug zum konkreten Beratungshergang in dem der Gütestelle vorgelegten Einzelfall aufweist, sondern als individuelle Angaben lediglich den Namen und die Anschrift des Klägers (als „Antragstellerpartei“) sowie die Bezeichnung der Anlagefonds enthält und weder die Zeichnungssummen noch den (ungefähren) Beratungszeitraum noch andere die getätigten Anlagen individualisierende Tatsachen nennt.

Über die unzureichende Individualisierung des geltend gemachten Anspruchs im Güteantrag hilft der vorgängige Schriftwechsel der Parteien nicht hinweg. Dabei kann es offen bleiben, ob das Schreiben der Rechtsanwälte des Klägers den Anforderungen an die Anspruchsindividualisierung in jeder Hinsicht – auch in Bezug auf die Angabe der (zumindest: ungefähren) Größenordnung der Schadensersatzforderung – genügt. Denn dieses Schreiben wurde im Güteantrag des Klägers nicht erwähnt und war dem Antrag auch nicht beigefügt, so dass es zur Individualisierung des verfolgten Anspruchs im Güteantrag nicht herangezogen werden kann.

Bei Güteanträgen kann auf Schriftstücke, die der Individualisierung des verfolgten Anspruchs dienen, nur dann zurückgegriffen werden, wenn diese im Güteantrag genannt und diesem Antrag beigefügt worden sind3. Der Güteantrag richtet sich in erster Linie an die Gütestelle, nämlich mit dem Ziel, dass diese als neutraler Schlichter und Vermittler im Sinne einer gütlichen Einigung zwischen den Anspruchsparteien tätig wird. Dies setzt voraus, dass sie ausreichend über den Gegenstand des Verfahrens informiert wird4. Unterlagen, die der Gütestelle nicht vorgelegt werden, finden in das Güteverfahren keinen Eingang und können daher auch bei der Beurteilung, ob der geltend gemachte (prozessuale) Anspruch im Güteantrag hinreichend individualisiert worden ist, keine Berücksichtigung finden5.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 28. Oktober 2015 – III ZR 33/15

  1. BGH, Urteile vom 18.06.2015 – III ZR 198/14, NJW 2015, 2407, 2408 ff Rn. 16 ff sowie – III ZR 189/1420 ff; – III ZR 191/14 21 ff und – III ZR 227/14 21 ff; vom 03.09.2015, BeckRS 2015, 16019 Rn. 15 ff; und vom 15.10.2015 – III ZR 170/14; Beschlüsse vom 16.07.2015 – III ZR 302/14, BeckRS 2015, 13231 Rn. 4 ff und – III ZR 164/14, BeckRS 2015, 13230 Rn. 2 ff; und vom 13.08.2015 – III ZR 380/14, BeckRS 2015, 15051 Rn. 13 ff
  2. BGH, Urteile vom 18.06.2015 – III ZR 198/14 aaO S. 2409 Rn. 25 mwN; vom 20.08.2015 – III ZR 373/14, WM 2015, 1807, 1809 Rn. 18; vom 03.09.2015 aaO Rn. 17; und vom 15.10.2015 aaO; BGH, Beschlüsse vom 16.07.2015 – III ZR 302/14 aaO Rn. 5 und – III ZR 164/14 aaO Rn. 3 sowie vom 13.08.2015 – III ZR 380/14 aaO Rn. 14 und – III ZR 358/14, BeckRS 2015, 15050 Rn. 3
  3. BGH, Urteil vom 15.10.2015 aaO; s. auch BGH, Urteil vom 18.06.2015 – III ZR 198/14 aaO S. 2410 Rn. 28; BGH, Beschlüsse vom 16.07.2015 – III ZR 302/14 aaO Rn. 6 und – III ZR 164/14 aaO Rn. 4 sowie vom 13.08.2015 – III ZR 380/14 aaO Rn. 15
  4. BGH, Urteile vom 18.06.2015 – III ZR 198/14 aaO S. 2409 Rn. 24 mwN; vom 20.08.2015 – III ZR 373/14, WM 2015, 1807, 1808 f Rn. 17; und vom 03.09.2014 – III ZR 347/14, BeckRS 2015, 16019 Rn. 16
  5. BGH, Urteile vom 03.09.2015 aaO Rn.19; und vom 15.10.2015 aaO

 
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