Der Güte­an­trag zur Verjährungshemmung

Um eine Hem­mung der Ver­jäh­rung gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 4 BGB bewir­ken zu kön­nen, muss in Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­len der Güte­an­trag regel­mä­ßig die kon­kre­te Kapi­tal­an­la­ge bezeich­nen, die Zeich­nungs­sum­me sowie den (unge­fäh­ren) Bera­tungs­zeit­raum ange­ben und den Her­gang der Bera­tung min­des­tens im Gro­ben umrei­ßen. Fer­ner ist das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel zumin­dest soweit zu umschrei­ben, dass dem Geg­ner und der Güte­stel­le ein Rück­schluss auf Art und Umfang der ver­folg­ten For­de­rung mög­lich ist; eine genaue Bezif­fe­rung der For­de­rung muss der Güte­an­trag sei­ner Funk­ti­on gemäß dem­ge­gen­über grund­sätz­lich nicht enthalten.

Der Güte­an­trag zur Verjährungshemmung

Ein Güte­an­trag hemmt die Ver­jäh­rung ohne die nöti­ge Indi­vi­dua­li­sie­rung des gel­tend gemach­ten pro­zes­sua­len Anspruchs nicht; die­se kann nach Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist auch nicht mehr ver­jäh­rungs­hem­mend nach­ge­holt wer­den [1]. Damit der Ein­gang eines Güte­an­trags gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 4 Halb­satz 2 BGB aF eine Hem­mung der Ver­jäh­rung bewir­ken kann, muss die­ser zum einen die for­ma­len Anfor­de­run­gen erfül­len, die von den für die Tätig­keit der jewei­li­gen Güte­stel­le maß­geb­li­chen Ver­fah­rens­vor­schrif­ten gefor­dert wer­den, und zum ande­ren für den Schuld­ner erken­nen las­sen, wel­cher Anspruch gegen ihn gel­tend gemacht wer­den soll, damit er prü­fen kann, ob eine Ver­tei­di­gung erfolg­ver­spre­chend ist und ob er in das Güte­ver­fah­ren ein­tre­ten möch­te [2]. Dabei sind einer­seits kei­ne zu stren­gen Anfor­de­run­gen zu stel­len, ande­rer­seits ist aber auch zu berück­sich­ti­gen, dass der Antrag an die Güte­stel­le als neu­tra­len Schlich­ter und Ver­mitt­ler gerich­tet wird und die­se zur Wahr­neh­mung ihrer Funk­ti­on aus­rei­chend über den Gegen­stand des Ver­fah­rens infor­miert wer­den muss [3].

In Anla­ge­be­ra­tungs­fäl­len muss der Güte­an­trag daher – wie auch das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt hat – regel­mä­ßig die kon­kre­te Kapi­tal­an­la­ge bezeich­nen, die Zeich­nungs­sum­me sowie den (unge­fäh­ren) Bera­tungs­zeit­raum ange­ben und den Her­gang der Bera­tung min­des­tens im Gro­ben umrei­ßen. Fer­ner ist das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel zumin­dest soweit zu umschrei­ben, dass dem Geg­ner und der Güte­stel­le ein Rück­schluss auf Art und Umfang der ver­folg­ten For­de­rung mög­lich ist; eine genaue Bezif­fe­rung der For­de­rung muss der Güte­an­trag sei­ner Funk­ti­on gemäß dem­ge­gen­über grund­sätz­lich nicht ent­hal­ten [4].

Nach die­sen Maß­stä­ben ist der Güte­an­trag des Anle­gers in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall nicht hin­rei­chend bestimmt: Es sind dort ledig­lich neben ande­ren Betei­li­gun­gen die vor­lie­gend strei­ti­ge Kapi­tal­an­la­ge und – abs­trakt – das ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel hin­rei­chend mit­ge­teilt. Dage­gen feh­len Anga­ben zur Zah­lungs­sum­me, und der Her­gang der Bera­tung ist unzu­rei­chend sowie, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Per­son des Bera­ters, völ­lig anders dar­ge­stellt, als dies nun­mehr gel­tend gemacht wird; der (unge­fäh­re) Bera­tungs­zeit­raum ist falsch ange­ge­ben. Das Feh­len die­ser Anga­ben ist ent­ge­gen der Annah­me der Vor­in­stanz nicht unerheblich.

Die Zah­lungs­sum­me ist im Güte­an­trag anzu­ge­ben, weil durch sie maß­geb­lich die Höhe des Scha­dens bestimmt wird und damit von ihr das kon­kret ange­streb­te Ver­fah­rens­ziel abhän­gig ist. Ohne die­se Anga­be ist für den Antrags­geg­ner der gel­tend gemach­te Scha­den nur mit Hil­fe wei­te­rer Ermitt­lun­gen, für die Güte­stel­le hin­ge­gen gar nicht ein­zu­schät­zen [5]. Die Güte­stel­le soll auf der Grund­la­ge des ihr unter­brei­te­ten Sach­ver­halts den Par­tei­en einen Ver­gleichs­vor­schlag unter­brei­ten. Dies ist ihr ohne Kennt­nis der Scha­dens­hö­he jedoch nicht mög­lich [6]. War­um das Beru­fungs­ge­richt die­se Anga­be ent­ge­gen der vor­zi­tier­ten höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung für ent­behr­lich erach­tet hat, hat es nicht begründet.

Anga­ben zum Her­gang der Bera­tung sind erfor­der­lich, um es dem Antrags­geg­ner zu ermög­li­chen, sei­ne Erfolgs­aus­sich­ten zu prü­fen und zu ent­schei­den, ob er in das Güte­ver­fah­ren ein­tre­ten möch­te. Wird eine Kapi­tal­an­la­ge – wie hier – im Struk­tur­ver­trieb ver­trie­ben, muss es der Güte­an­trag dem Antrags­geg­ner ermög­li­chen zu ermit­teln, um wel­che Anla­ge­be­ra­tung es im vor­lie­gen­den Fall ging [7].

Auch die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te im hier ent­schie­de­nen Fall die Dar­stel­lung im Güte­an­trag nicht: Dort ist aus­ge­führt, der Geschäfts­füh­rer der beklag­ten Anla­ge­be­ra­te­rin habe die Eigen­schaf­ten und Risi­ken des Fonds mit feh­ler­haf­ten Ver­kaufs­un­ter­la­gen beschrie­ben und die Feh­ler­haf­tig­keit im Rah­men der münd­li­chen Bera­tung nicht klar­ge­stellt. Er habe nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, wel­che Risi­ken mit der Betei­li­gung ver­bun­den sei­en; ins­be­son­de­re sei ein Hin­weis auf die feh­len­de Mög­lich­keit ihres Ver­kaufs nicht erfolgt. Das insi­nu­iert, dass Ansprü­che wegen Pro­spekt­feh­lern gel­tend gemacht wür­den. Dies ist indes nicht der Fall. Der Anle­ger behaup­tet viel­mehr, ein Pro­spekt sei ihm nicht über­ge­ben wor­den; er hat auch nicht vor­ge­tra­gen, die Bera­tung – durch den Zeu­gen L. – sei unter Ver­wen­dung eines Pro­spekts erfolgt. Zu dem kon­kre­ten Bera­tungs­her­gang, aus dem der Anle­ger sei­ne Ansprü­che wegen der vor­lie­gend strei­ti­gen Betei­li­gung her­lei­tet, weist der Güte­an­trag kei­nen Bezug auf. Es fehlt dar­in jede Anga­be dazu, was dem Anle­ger gesagt wor­den sei; es wird ledig­lich – unter­schieds­los für alle fünf Betei­li­gun­gen – dar­ge­stellt, wor­über der Anle­ger nicht auf­ge­klärt wor­den sei. Unab­hän­gig davon kommt vor allem hin­zu, dass der Anle­ger in Bezug auf die dem Rechts­streit zugrun­de­lie­gen­de Betei­li­gung an der „Dr. U. A. KG“ falsch ange­ge­ben hat, vom Geschäfts­füh­rer der Ver­triebs­ge­sell­schaft (statt vom Bera­ter L.) bera­ten wor­den zu sein.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Okto­ber 2020 – III ZR 60/​19

  1. vgl. zB BGH, Urteil vom 18.06.2015 – III ZR 198/​14, BGHZ 206, 41 Rn. 17 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.06.2015 aaO Rn. 21 f[]
  3. vgl. BGH, aaO Rn. 24 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 18.06.2015 aaO Rn. 25; vom 20.08.2015 – III ZR 373/​14, NJW 2015, 3297 Rn. 18; vom 03.09.2015 – III ZR 347/​14 17; und vom 15.10.2015 – III ZR 170/​14, NJW-RR 2016, 372 Rn. 17; Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 16.07.2015 – III ZR 164/​14 3 und – III ZR 302/​14 5; vom 13.08.2015 – III ZR 358/​14 3 und – III ZR 380/​14 14; und vom 28.01.2016 – III ZB 88/​15, WM 2016, 403 Rn. 16[]
  5. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 28.01.2016 aaO Rn. 17; vgl. auch BGH, Urteil vom 06.12.2016 – XI ZR 257/​15 40[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 18.06.2015 aaO Rn. 28[]
  7. vgl. BGH, aaO Rn. 27[]