Kaufverträge — und das Schiedsgericht des Waren-Vereins der Hamburger Börse e.V.

Durch den in einem Waren­kauf­ver­trag ent­hal­te­ne Ver­weis auf die Geschäfts­be­din­gun­gen des Waren-Ver­eins der Ham­bur­ger Bör­se e.V. kann die dort in § 30 ent­hal­te­ne Schieds­klau­sel wirk­sam ver­ein­bart wer­den1.

Kaufverträge — und das Schiedsgericht des Waren-Vereins der Hamburger Börse e.V.

Die for­ma­len Anfor­de­run­gen an die Schieds­ver­ein­ba­rung bestim­men sich nach § 1031 Abs. 1 ZPO. #

Das Schieds­ge­richt des Waren-Ver­eins der Ham­bur­ger Bör­se e.V. hat sei­nen Sitz in Ham­burg. Bei einem Schieds­ort in Deutsch­land gilt gemäß § 1025 Abs. 1 ZPO für die Form der Schieds­ver­ein­ba­rung zwin­gend § 1031 ZPO2.

Dem­ge­gen­über ist der Anwen­dungs­be­reich des UNÜ (CISG) nur eröff­net, wenn die Schieds­ab­re­de zu einem aus­län­di­schen Schieds­spruch im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 UNÜ füh­ren kann, was einen aus­län­di­schen Schieds­ort vor­aus­setzt3.

Dabei konn­te im hier ent­schie­de­nen Streit­fall dahin­ste­hen, ob in Fäl­len einer die Schieds­ver­ein­ba­rung erfas­sen­den Rechts­wahl der Par­tei­en kumu­la­tiv auch die Anfor­de­run­gen des gewähl­ten Rechts erfüllt sein müs­sen4. Denn die Ver­trags­par­tei­en hat­ten kei­ne Rechts­wahl für ein aus­län­di­sches Recht getrof­fen.

Da der form­gül­ti­ge Abschluss der Schieds­ver­ein­ba­rung geson­der­ter Beur­tei­lung bedarf (vgl. § 1040 Abs. 1 Satz 2 ZPO), ist fer­ner uner­heb­lich, ob auf den Kauf­ver­trag, aus des­sen Nicht­er­fül­lung die Antrags­geg­ne­rin ihren Zah­lungs­an­spruch ablei­tet, unga­ri­sches Recht anwend­bar ist.

Die Schieds­ver­ein­ba­rung ist aller­dings Teil eines Kauf­ver­trags über Waren zwi­schen Par­tei­en, die ihre Nie­der­las­sung in ver­schie­de­nen Staa­ten haben, wobei bei­de Staa­ten Ver­trags­staa­ten des CISG sind. Damit ist nach Art. 1 Abs. 1 Buchst. a das in Deutsch­land als natio­na­les Recht gel­ten­de CISG grund­sätz­lich anwend­bar. Ob infol­ge­des­sen für die Ein­be­zie­hung der Schieds­klau­sel in den Ver­trag die Art. 14 bis 24 CISG gel­ten5, kann offen blei­ben.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat ange­nom­men, dass die Schieds­ver­ein­ba­rung auch bei Anwen­dung des CISG wirk­sam zustan­de gekom­men ist (vgl. Art. 18 Abs. 1 und 2 CISG). Die Par­tei­en haben über­ein­stim­men­de Ver­trags­er­klä­run­gen aus­ge­tauscht, die unmit­tel­bar die Schieds­ver­ein­ba­rung ent­hal­ten. Es kommt des­halb auch in die­sem Zusam­men­hang nicht dar­auf an, ob sie die Geschäfts­be­din­gun­gen des Waren-Ver­eins der Ham­bur­ger Bör­se e.V. wirk­sam für ihren Ver­trag ver­ein­bart haben, die in § 2 Abs. 2 die Anwen­dung des CISG aus­schlie­ßen. Dem­entspre­chend stel­len sich die von der Rechts­be­schwer­de umfang­reich erwo­ge­nen Fra­gen zur Zuläs­sig­keit und zu den Vor­aus­set­zun­gen einer Rechts­wahl in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen im Streit­fall nicht.

Ob es sich bei der Ein­be­zie­hung in den Kauf­ver­trag um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung han­delt, war im vor­lie­gen­den Streit­fall nicht ent­schei­dend, da es sich bei der im Ver­trag selbst ent­hal­te­nen Schieds­klau­sel um eine von der einen Par­tei der ande­ren Ver­trags­par­tei gestell­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung han­del­te. Viel­mehr hat­te der Ver­mitt­ler bei­den Par­tei­en jeweils eine gleich­lau­ten­de, allein von ihm unter­zeich­ne­te Ver­trags­ur­kun­de zur Unter­schrift vor­ge­legt. Auf die­ser Grund­la­ge konn­te nicht ange­nom­men wer­den, dass der Ver­mitt­ler als Agent der einen oder ande­ren Par­tei tätig wur­de oder jeden­falls die Ver­trags­ur­kun­den mit der Schieds­klau­sel von einer Par­tei erhal­ten oder für sie for­mu­liert hat. Es fehl­te damit an der im kauf­män­ni­schen Geschäfts­ver­kehr für eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung erfor­der­li­chen ein­sei­ti­gen Auf­er­le­gung durch eine Ver­trags­par­tei6. Auf die Fra­ge der Wirk­sam­keit der Ein­be­zie­hung All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen kam es unter die­sen Umstän­den im Streit­fall nicht an.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Mai 2017 — I ZB 7516

  1. vgl. OLG Ham­burg, IHR 2014, 12 []
  2. vgl. MünchKomm-.ZPO/Münch, 4. Aufl., § 1031 Rn.20; Schüt­ze in Wieczorek/Schütze, ZPO, 4. Aufl., § 1031 Rn. 7; Wolf/Eslami in BeckOK/ZPO, 24. Edi­ti­on, § 1031 Rn. 6; Voit in Musielak/Voit, ZPO, 14. Aufl., § 1031 Rn. 17; hier­zu auch Begrün­dung des Ent­wurfs eines Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Schieds­ver­fah­rens­rechts, BT-Drs. 135274, S. 36 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 08.06.2010 — XI ZR 4109, WM 2010, 2032 Rn.19 mwN []
  4. vgl. Voit in Musielak/Voit aaO § 1031 Rn. 17 []
  5. vgl. BeckOGK/Buchwitz, Stand 1.05.2017, CISG, Art. 14 Rn. 27 aE []
  6. vgl. BGH, Urteil vom 12.06.1992 — V ZR 10691, NJW 1992, 2817; Urteil vom 24.05.1995 — XII ZR 17294, BGHZ 130, 50, 57; Urteil vom 17.02.2010 — VIII ZR 6709, BGHZ 184, 259 Rn. 21; MünchKomm-.BGB/Basedow, 7. Aufl., § 305 Rn. 21 bis 27 []