Mediation an Sozialgerichten

An den Sozi­al­ge­rich­ten in Chem­nitz und Leip­zig sowie beim Säch­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt besteht ab sofort die Mög­lich­keit, Recht­strei­tig­kei­ten im Wege der Media­ti­on ein­ver­nehm­lich zu lösen. Vor den Sozi­al­ge­rich­ten wer­den unter ande­rem Streit­sa­chen in Ange­le­gen­hei­ten der gesetz­li­chen Renten‑, Kranken‑, Unfall- und der sozia­len Pfle­ge­ver­si­che­rung ver­han­delt. Zudem sind die­se Gerich­te für Ange­le­gen­hei­ten der Arbeits­för­de­rung, der Grund­si­che­rung für Arbeits­su­chen­de und der Sozi­al­hil­fe zustän­dig. Gewöhn­li­che Kla­ge- bzw. Beru­fungs­ver­fah­ren dau­ern regel­mä­ßig ein bis zwei Jah­re.

Mediation an Sozialgerichten

Die Säch­si­schen Sozi­al­ge­rich­te stüt­zen sich dabei auf die Erfah­run­gen der baye­ri­schen und der nie­der­säch­si­schen Sozi­al­ge­richts­bar­keit, wo die Media­ti­on bereits seit meh­re­ren Jah­ren erfolg­reich prak­ti­ziert wird.

Dar­über hin­aus wird das Ange­bot der kon­sen­sua­len Streit­bei­le­gung durch die Ein­füh­rung der Media­ti­on um ein wich­ti­ges Ele­ment erwei­tert. Ein sol­ches Ver­fah­ren ist vor allem für Betei­lig­te inter­es­sant, die ihr Ver­fah­ren weit­ge­hend selbst gestal­ten möch­ten. Denn die Media­ti­on ist ein frei­wil­li­ges Ver­fah­ren, in dem die Betei­lig­ten unter Hin­zu­zie­hung eines neu­tra­len (all­par­tei­li­chen) Drit­ten – des Media­tors – ver­su­chen, selbst­be­stimm­te und all­seits akzep­tier­te Lösun­gen für die dem Recht­streit zugrun­de lie­gen­den Pro­ble­me zu erar­bei­ten. Meist gelingt es dadurch – anders als in Ver­fah­ren, die mit einer gericht­li­chen Ent­schei­dung enden – end­gül­ti­ge Ergeb­nis­se zu erzie­len. Bei gutem Ver­lauf der Media­ti­on ver­mei­den die Betei­lig­ten zudem gericht­li­che „Fol­ge­ver­fah­ren“. Mit der Ein­füh­rung die­ser Form der ein­ver­nehm­li­chen Streit­bei­le­gung ist daher sei­tens der Sozi­al­ge­rich­te auch die Hoff­nung ver­bun­den, zur not­wen­di­gen Ent­las­tung der Sozi­al­ge­rich­te bei­zu­tra­gen.

Dazu sind im ver­gan­ge­nen Jahr vier Rich­ter von einem Dres­de­ner Fort­bil­dungs­in­sti­tut aus­ge­bil­det wor­den, die sich nun auf ers­te Her­aus­for­de­run­gen in der prak­ti­schen Anwen­dung freu­en. Als Media­tor steht an jedem der genann­ten Gerich­te ein Rich­ter zur Ver­fü­gung, der nicht für die Ent­schei­dung der Streit­sa­che zustän­dig ist. Soll­te die Media­ti­on zu kei­ner voll­stän­di­gen Lösung des Kon­flikts füh­ren, wird die Sache dem für die Streit­sa­che zustän­di­gen Rich­ter zuge­lei­tet, der dann abschlie­ßend – gege­be­nen­falls im Spruch­kör­per – ent­schei­det.

Das Ange­bot der Media­ti­on in der säch­si­schen Sozi­al­ge­richts­bar­keit rich­tet sich aus­drück­lich nicht gegen die Anwalt­schaft. Gera­de im Bereich der Media­ti­on stre­ben die säch­si­chen Sozi­al­ge­rich­te eine Koope­ra­ti­on mit den Rechts­an­wäl­ten an, denn ohne anwalt­li­che Ver­tre­tung wird kei­ne Media­ti­on erfol­gen: Weil der Media­tor – anders als der streit­ent­schei­den­de Rich­ter – den Betei­lig­ten kei­ne wei­ter­ge­hen­den Hin­wei­se ertei­len darf, wäre es aus Grün­den der Waf­fen­gleich­heit pro­ble­ma­tisch, einen anwalt­lich nicht ver­tre­te­nen Ver­si­cher­ten in eine Media­ti­on ein­zu­be­zie­hen, da die Ter­mins­ver­tre­ter der Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger grund­sätz­lich juris­tisch geschult sind. Nur mit Unter­stüt­zung eines Rechts­an­walts kön­nen daher die Betei­lig­ten im sozi­al­recht­li­chen Media­ti­ons­ver­fah­ren auf Augen­hö­he ver­han­deln.

In weni­gen Mona­ten wer­den wei­te­re Rich­ter zu Media­to­ren aus­ge­bil­det. Nach drei Jah­ren soll Bilanz gezo­gen wer­den: Anhand der dann vor­lie­gen­den sta­tis­ti­schen Daten wird geprüft, ob die Media­ti­on von den Betei­lig­ten ange­nom­men wird und in wel­chem Maße sie zum Erfolg führt. Soll­te sich die Media­ti­on in der Pra­xis bewäh­ren, wird sie sich als dau­er­haf­tes Ange­bot neben den „klas­si­schen“ Streit­ver­fah­ren eta­blie­ren.