Täter-Opfer-Ausgleich im Strafprozess

Bei der Prü­fung eines Täter­Op­fer­Aus­gleichs gemäß § 46a StGB muss das Urteil erken­nen las­sen, wel­che der Fall­grup­pen des § 46a StGB ange­nom­men wird.

Täter-Opfer-Ausgleich im Strafprozess

Die vor­ran­gig den Aus­gleich imma­te­ri­el­ler Tat­fol­gen betref­fen­de Alter­na­ti­ve des § 46a Nr. 1 StGB macht die Mil­de­rungs­mög­lich­keit davon abhän­gig, dass der Täter in dem Bemü­hen, einen Aus­gleich mit dem Tat­op­fer zu errei­chen, die Tat ganz oder zum über­wie­gen­den Teil wie­der­gut­ge­macht oder die­ses Ziel ernst­haft erstrebt hat.

Das erfor­dert – in bei­den Vari­an­ten – grund­sätz­lich einen kom­mu­ni­ka­ti­ven Pro­zess zwi­schen Täter und Opfer, im Rah­men des­sen das Bemü­hen des Täters Aus­druck der Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung ist und das Opfer die auf einen umfas­sen­den Aus­gleich der durch die Straf­tat ver­ur­sach­ten Fol­gen gerich­te­ten Leis­tun­gen des Täters als frie­dens­stif­ten­den Aus­gleich akzep­tiert1.

Des­halb hat das Tat­ge­richt regel­mä­ßig auch Fest­stel­lun­gen dazu zu tref­fen, wie sich das Opfer zu den Bemü­hun­gen des Täters gestellt hat2.

Ange­sichts des im vor­lie­gen­den Fall von der Geschä­dig­ten mit dem Ange­klag­ten abge­schlos­se­nen umfas­sen­den Ver­gleichs und den nur gering­fü­gi­gen kör­per­li­chen Ver­let­zun­gen durch das Tat­ge­sche­hen liegt aller­dings fern, dass sie die hohen Schmer­zens­geld­zah­lun­gen und sons­ti­gen finan­zi­el­len Leis­tun­gen des Ange­klag­ten nicht als „frie­dens­stif­ten­den Aus­gleich“ akzep­tiert haben könn­te. Mit ihrem spä­te­ren, die Ent­schul­di­gung des Ange­klag­ten ableh­nen­den Ver­hal­ten in der Haupt­ver­hand­lung könn­te sie sich daher mit ihrem frü­he­rem Ver­hal­ten in Wider­spruch gesetzt haben; einen bereits ein­ge­tre­te­nen frie­dens­stif­ten­den Aus­gleich könn­te dies nicht mehr besei­ti­gen.

Der kom­mu­ni­ka­ti­ve Pro­zess setzt auch kei­ne per­sön­li­che Begeg­nung des Täters mit sei­nem Opfer vor­aus. Eine Ver­stän­di­gung über ver­mit­teln­de Drit­te, etwa den Ver­tei­di­ger, genügt3 und wird bei schwer­wie­gen­den Gewalt­ins­be­son­de­re Sexu­al­de­lik­ten, viel­fach als opfer­scho­nen­des Vor­ge­hen rat­sam sein4.

Soweit die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ver­langt, dass sich das Ver­hal­ten des Täters als Aus­druck der Über­nah­me von Ver­ant­wor­tung dar­stellt5, steht dem nicht ent­ge­gen, dass der Ange­klag­te eine Erin­ne­rungs­lü­cke für das eigent­li­che Tat­ge­sche­hen im Gar­ten gel­tend gemacht und damit den Tat­vor­wurf nicht voll­um­fäng­lich ein­ge­räumt hat. Dies schließt hier eine Ver­ant­wor­tungs­über­nah­me für die Tat nicht aus. Der Ange­klag­te hat das objek­ti­ve Tat­ge­sche­hen ein­ge­räumt und die „Opfer­Po­si­ti­on“ der Geschä­dig­ten nicht bestrit­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Okto­ber 2018 — 1 StR 42218

  1. BGH, Urteil vom 24.08.2017 – 3 StR 23317, StRR 2018, Nr. 4, 16 Rn. 13 mwN []
  2. BGH, Urteil vom 24.08.2017 – 3 StR 23317, StRR 2018, Nr. 4, 16 Rn. 15 mwN []
  3. BGH, Beschluss vom 08.07.2014 – 1 StR 26614, NStZ-RR 2014, 304; Urteil vom 07.12 2005 – 1 StR 28705, NStZ 2006, 275 Rn. 9 []
  4. BGH, Urteil vom 24.08.2017 – 3 StR 23317, StRR 2018, Nr. 4, 16 Rn. 15 mwN []
  5. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 25.05.2001 – 2 StR 7801, NJW 2001, 2557; und vom 23.12 2015 – 2 StR 3071520 []