Der Zwischenentscheid über die Zuständigkeit des Schiedsgerichts — und das Rechtsschutzbedürfnis

Ein Rechts­schutz­be­dürf­nis für den gegen den Zwi­schen­ent­scheid über die Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts gerich­te­ten Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung ist ent­fal­len, nach­dem zwi­schen­zeit­lich ein Schieds­spruch über die Haupt­sa­che ergan­gen ist1, da die Unzu­stän­dig­keit des Schieds­ge­richts auf­grund unwirk­sa­mer Schieds­ver­ein­ba­rung dann im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung (§ 1059 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a ZPO) oder Voll­streck­bar­er­klä­rung (§ 1060 Abs. 2 Satz 1 ZPO) des Schieds­spruchs zu prü­fen ist.

Der Zwischenentscheid über die Zuständigkeit des Schiedsgerichts — und das Rechtsschutzbedürfnis

Auch ein Hilfs­an­trag, der auf die Fest­stel­lung der ursprüng­li­chen Zuläs­sig­keit und Begründ­etheit des Antrags auf Auf­he­bung des die Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts aus­spre­chen­den Zwi­schen­ent­scheids und der Unzu­stän­dig­keit die­ses Gerichts gerich­tet ist, ist nach Erge­hen eines Schieds­spruchs über die Haupt­sa­che unzu­läs­sig.

Soweit gegen die­se Ansicht vor­ge­tra­gen wird, dass nach dem Urteil des vor­mals für Rechts­strei­tig­kei­ten über Schieds­ver­ein­ba­run­gen und Schieds­sprü­che zustän­di­gen VII. Zivil­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs vom 12.12 19632 ein über die Ableh­nung eines Schieds­rich­ters anhän­gi­ges gericht­li­ches Ver­fah­ren auch dann fort­zu­set­zen sei, wenn zwi­schen­zeit­lich ein Schieds­spruch zur Haupt­sa­che ergan­gen ist.

Die inso­weit gezo­ge­ne Par­al­lel­wer­tung zur Fra­ge der Befan­gen­heit des Schieds­ge­richts über­zeugt den Bun­des­ge­richts­hof aller­dings nicht. Nach Auf­fas­sung des VII. Zivil­se­nats3 ist im Ver­fah­ren auf Auf­he­bung eines Schieds­spruchs nach § 1041 ZPO aF über die vor dem Schieds­ge­richt erklär­te Ableh­nung eines Schieds­rich­ters nicht zu ent­schei­den, auch wenn es vor dem Erlass des Schieds­spruchs nicht mehr zu einem Beschluss des staat­li­chen Gerichts nach § 1045 ZPO aF (jetzt § 1037 Abs. 3 ZPO) kommt. Der VII. Zivil­se­nat hat zur Begrün­dung inso­weit aus­drück­lich Bezug genom­men auf die Recht­spre­chung des Reichs­ge­richts4. Danach ist die Ent­schei­dung über die Ableh­nung eines Schieds­rich­ters durch § 1045 ZPO aF aus­schließ­lich dem dor­ti­gen Beschluss­ver­fah­ren zuge­wie­sen. Der Kla­ge­weg sei inso­weit aus­ge­schlos­sen und es kön­ne auch nicht als zuläs­sig gel­ten, mit­tel­bar den Kla­ge­weg wie­der zu eröff­nen, indem die Ableh­nung eines Schieds­rich­ters als Auf­he­bungs­grund gel­tend gemacht wer­de. Von einem „unzu­läs­si­gen Ver­fah­ren“ des Schieds­ge­richts (§ 1041 Abs. 1 Nr. 1 ZPO aF), das (anders als der staat­li­che Rich­ter; § 47 Abs. 1 ZPO) im Rah­men des § 1037 ZPO aF trotz der Ableh­nung das Ver­fah­ren fort­set­zen und einen Schieds­spruch erlas­sen dür­fe, kön­ne nicht die Rede sein, solan­ge nicht das staat­li­che Gericht im Ver­fah­ren nach § 1045 ZPO aF die Ableh­nung als berech­tigt erklärt habe. Nur der Rich­ter des Ver­fah­rens nach § 1045 ZPO aF sei zur Ent­schei­dung über das Ableh­nungs­ge­such befugt, nicht der Rich­ter des Auf­he­bungs­ver­fah­rens nach § 1041 ZPO aF. Des­halb müs­se letz­te­rer sein Ver­fah­ren aus­set­zen und ers­te­rer sein Ver­fah­ren — auch nach Erlass des Schieds­spruchs — fort­set­zen. Das Ver­fah­ren nach § 1045 ZPO aF sei inso­weit die ein­zi­ge Mög­lich­keit, die Ableh­nung von Schieds­rich­tern durch­zu­füh­ren, und im Auf­he­bungs­ver­fah­ren sei die Unzu­läs­sig­keit des Schieds­ver­fah­rens wegen Befan­gen­heit der Schieds­rich­ter nur zu berück­sich­ti­gen, wenn das nach § 1045 ZPO aF beru­fe­ne Gericht die Ableh­nung für berech­tigt erklärt habe5.

Eine Ver­gleich­bar­keit mit der Situa­ti­on bezüg­lich der Ein­re­de der Unzu­läs­sig­keit des Schieds­ver­fah­rens wegen Unwirk­sam­keit der Schieds­ab­re­de schei­det aber schon des­halb aus, weil es sich hier­bei um einen aus­drück­lich im Gesetz (§ 1059 Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a ZPO) gere­gel­ten Auf­he­bungs­grund han­delt, der dem­entspre­chend — anders als es der VII. Zivil­se­nat und das Reichs­ge­richt für die Gel­tend­ma­chung der Befan­gen­heit eines Schieds­rich­ters ange­nom­men haben — auch in die­sem Ver­fah­ren gel­tend gemacht und geprüft wer­den kann.

Auch der Hilfs­an­trag, der auf die Fest­stel­lung der ursprüng­li­chen Zuläs­sig­keit und Begründ­etheit des Antrags auf Auf­he­bung des die Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts aus­spre­chen­den Zwi­schen­ent­scheids und der Unzu­stän­dig­keit die­ses Gerichts gerich­tet ist, ist unzu­läs­sig. Der Sache nach han­delt es sich um eine ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung der Antrag­stel­le­rin im Ver­fah­ren nach § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO.

Zwar kann eine ein­sei­ti­ge Erle­di­gungs­er­klä­rung grund­sätz­lich auch im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren abge­ge­ben wer­den. Dies gilt jeden­falls dann, wenn das erle­di­gen­de Ereig­nis unstrei­tig ist6. Das ist hier der Fall, da der Erlass des Schieds­spruchs in der Haupt­sa­che, der zum Fort­fall des Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren nach § 1040 Abs. 3 Satz 2 ZPO geführt hat, unstrei­tig ist.

Eine hilfs­wei­se Erle­di­gungs­er­klä­rung ist jedoch in der Regel unzu­läs­sig7. Für den Fest­stel­lungs­an­trag, der in einer ein­sei­ti­gen hilfs­wei­sen Erle­di­gungs­er­klä­rung ent­hal­ten ist, fehlt grund­sätz­lich das erfor­der­li­che recht­li­che Inter­es­se8, das regel­mä­ßig in einer güns­ti­gen Kos­ten­fol­ge liegt9. Eine sol­che Kos­ten­fol­ge ana­log § 91a ZPO ist mit einem ent­spre­chen­den Hilfs­an­trag regel­mä­ßig nicht zu errei­chen, weil im Rah­men der Kos­ten­ent­schei­dung stets zu berück­sich­ti­gen ist, dass die Kla­ge mit dem Haupt­an­trag abge­wie­sen wor­den ist10. Außer­dem wäre es wider­sprüch­lich, nach einer Abwei­sung des Haupt­an­trags als unbe­grün­det auf den Hilfs­an­trag die Erle­di­gung fest­zu­stel­len11. Das Ziel des Hilfs­an­trags, statt der Abwei­sung des Haupt­an­trags die Erle­di­gungs­fest­stel­lung zu errei­chen, ist gera­de nicht erreich­bar12.

Dem hier­ge­gen ange­führ­ten Urteil des I. Zivil­se­nats vom 19.03.199813, in dem die Zuläs­sig­keit einer hilfs­wei­sen Erle­di­gungs­er­klä­rung aus­nahms­wei­se bejaht wor­den ist ((BGH, aaO, S. 1572 f, liegt eine nicht ver­gleich­ba­re Fall­kon­stel­la­ti­on zugrun­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. April 2014 — III ZB 3712

  1. so bereits BGH, Beschluss vom 19.09.2013 — III ZB 3712, Schieds­VZ 2013, 333 []
  2. BGH, Urteil vom 12.12.1963 — VII ZR 2362, BGHZ 40, 342; dem fol­gend: OLG Frank­furt am Main, NJW-RR 2008, 801; Beschluss vom 12.07.2007 — 26 Sch 907, inso­weit nicht in OLGR 2008, 195 abge­druckt; OLG Mün­chen, Beschluss vom 17.08.2010 — 34 SchH 810; vgl. aus dem Schrift­tum auch Münch­Komm-ZPO/­Münch, 4. Aufl., § 1037 Rn. 37; Musielak/Voit, ZPO, 11. Aufl., § 1037 Rn. 7; Nacimiento/Abt in Böckstiegel/Kröll/Nacimiento, Arbri­ta­ti­on in Ger­ma­ny, § 1037 Rn. 23; Zöller/Geimer, ZPO, 30. Aufl., § 1037 Rn. 4 []
  3. BGH, aaO S. 344 []
  4. RGZ 145, 171; 148, 1 []
  5. RGZ 148, 1, 2 f []
  6. BGH, Urteil vom 08.02.1989 — IVa ZR 9887, BGHZ 106, 359, 368 zum Revi­si­ons­ver­fah­ren []
  7. z.B. BGH, Urteil vom 08.02.2011 — II ZR 20608, NJW-RR 2011, 618 Rn. 22; Beschluss vom 16.08.2010 — II ZR 10509 4; Urtei­le vom 27.02.2007 — XI ZR 5506 36; vom 16.03.2006 — I ZR 9203, NJW-RR 2006, 1378 Rn.20; und vom 08.02.1989 aaO S. 368 f []
  8. § 256 Abs. 1 ZPO []
  9. BGH, Urtei­le vom 08.02.2011; und vom 16.03.2006 jew. aaO []
  10. BGH, Urtei­le vom 08.02.2011; vom 27.02.2007; und vom 16.03.2006 jew. aaO []
  11. BGH, Urtei­le vom 08.02.2011 und 8.02.1989; Beschluss vom 16.08.2010 jew. aaO []
  12. Zöller/Vollkommer aaO § 91a Rn. 35 []
  13. BGH, Urteil vom 19.03.1998 — I ZR 26495, NJW-RR 1998, 1571; sie­he auch BGH, Urteil vom 08.02.2011, aaO Rn. 23 []