Die Einrede des Schiedsvertrags

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Ein­re­de des Schieds­ver­trags nach § 1032 Abs. 1 ZPO an kei­ne Form gebun­den.

Die Einrede des Schiedsvertrags

Es genügt, dass der Beklag­te sei­nen Wil­len hin­rei­chend zum Aus­druck bringt, dass die Sach­ent­schei­dung nicht von dem ange­ru­fe­nen staat­li­chen Gericht, son­dern von einem Schieds­ge­richt getrof­fen wer­den soll.

Erfor­der­lich ist aber, dass der Beklag­te bei Erhe­bung der Schieds­ein­re­de die Schieds­ver­ein­ba­rung, auf die er die Ein­re­de stüt­zen will, kon­kret bezeich­net. Sodann kann das staat­li­che Gericht ent­spre­chend dem Rege­lungs­zweck des § 1032 Abs. 1 ZPO vor der Befas­sung mit der Begründ­etheit der Kla­ge prü­fen, ob die Schieds­ver­ein­ba­rung sei­ner Zustän­dig­keit ent­ge­gen­steht oder ob sie nich­tig, unwirk­sam oder undurch­führ­bar im Sin­ne des § 1032 Abs. 1 ZPO ist1.

Ist die Vor­in­stanz der Rüge nicht gefolgt, muss sie im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren wie­der­holt wer­den2.

Gemes­sen hier­an hat der Beklag­te in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Ein­re­de des Schieds­ver­tra­ges in allen Instan­zen vor Beginn der münd­li­chen Ver­hand­lung zur Haupt­sa­che erho­ben (§ 1032 Abs. 1 ZPO, § 137 Abs. 1 ZPO):

Der Beklag­te hat vor der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt schrift­sätz­lich in Bezug auf die Schieds­klau­sel in § 20 des Gesell­schafts­ver­tra­ges (GV) gel­tend gemacht, dass das ange­ru­fe­ne Land­ge­richt nicht zustän­dig sei. Damit hat er klar zum Aus­druck gebracht, dass die Sach­ent­schei­dung nicht von dem ange­ru­fe­nen Land­ge­richt getrof­fen wer­den soll.

Dass der Beklag­te nicht zugleich auch auf die Schieds­klau­sel in § 12 des Geschäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­tra­ges (GAV) Bezug genom­men hat, steht dem nicht ent­ge­gen. Das Land­ge­richt hat vor Beginn der strei­ti­gen münd­li­chen Ver­hand­lung aus­ge­führt, dass der Beklag­te die Schieds­ein­re­de erho­ben habe, dass sowohl der Geschäfts­füh­rer­an­stel­lungs­ver­trag als auch der Gesell­schafts­ver­trag eine Schieds­klau­sel ent­hal­te, der Schieds­ver­trag dort jeweils ange­hef­tet sei und es im Hin­blick dar­auf der­zeit von der Unzu­läs­sig­keit der Kla­ge aus­ge­he. Des­halb war es unschäd­lich, dass der Beklag­te sich schrift­sätz­lich ledig­lich auf die Schieds­klau­sel in § 20 GV beru­fen hat. Das Land­ge­richt konn­te vor der Befas­sung mit der Begründ­etheit der Kla­ge prü­fen, ob die ihm vor­lie­gen­den Schieds­ver­ein­ba­run­gen sei­ner Zustän­dig­keit ent­ge­gen­stan­den, was nach sei­ner recht­li­chen Bewer­tung auch der Fall war. Durch sei­nen recht­li­chen Hin­weis vor Beginn der strei­ti­gen Ver­hand­lung hat das Land­ge­richt deut­lich gemacht, dass aus sei­ner Sicht der Beklag­te die Schieds­ein­re­de umfas­send, auch in Bezug auf § 12 GAV, und somit hin­rei­chend kon­kret erho­ben hat­te, wes­halb es von einer Unzu­läs­sig­keit der Kla­ge aus­ge­he. Für den Beklag­ten bestand nach die­sen ein­lei­ten­den Aus­füh­run­gen der Vor­sit­zen­den im Ter­min kein Anlass, vor Beginn der strei­ti­gen Ver­hand­lung zur Sache und der Antrag­stel­lung ergän­zend dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er sich mit der von ihm aus­drück­lich erho­be­nen Schieds­ein­re­de aus § 20 GV auch auf die Schieds­klau­sel aus § 12 GAV für die mit der Kla­ge gel­tend gemach­ten Ansprü­che beru­fe.

In der Beru­fungs­in­stanz hat sich der Beklag­te vor der münd­li­chen Ver­hand­lung in der Beru­fungs­be­grün­dung erneut auf die Schieds­ein­re­de beru­fen und die Auf­he­bung des land­ge­richt­li­chen Urteils begehrt, da die im vor­lie­gen­den Rechts­streit gel­tend gemach­ten Ansprü­che in die Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts fie­len. In der Revi­si­ons­be­grün­dung wird die Schieds­ein­re­de eben­falls erho­ben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Novem­ber 2018 — II ZR 32817

  1. BGH, Urteil vom 08.02.2011 — XI ZR 16808, NJW-RR 2011, 1188 Rn. 28 mwN []
  2. BAGE 56, 179, 184; BGH, Urteil vom 13.01.2009 — XI ZR 6608, ZIP 2009, 1540 Rn. 29; Urteil vom 08.02.2011 — XI ZR 16808, NJW-RR 2011, 1188 Rn. 29; Münch­Komm- ZPO/Münch, 5. Aufl., § 1032 Rn. 16 []